IMPULSE ZUM GLAUBEN IN ZEITEN VON CORONA

10.05.2020

Impuls zum Sonntag

„Nichts wird so sein, wie es war.”
Jeden Tag ist dieses Wort zu hören. In diesem Ausdruck verbirgt sich die Ahnung, dass Corona einen Wandel bewirkt. Vieles von dem, was war, wird verloren gehen und wird sich verabschieden. Für mache ist das schon ganz konkret. Der Arbeitsplatz ist weg oder gefährdet. Lebensplanungen sind fraglich geworden. Abschiede werden unausweichlich kommen.

In diese Abschiedsstimmung hinein wird an diesem Sonntag die Abschiedsrede Jesu erinnert. In Joh 14 beginnt sie mit : „Euer Herz lasse sich nicht verwirren”. Lasst euch nicht durcheinanderbringen. Das wird nur gelingen, wenn das Herz den Anker setzt: „Glaubt an Gott und glaubt an mich. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.”

(EB)

01.05.2020

GLAUBEN IN ZEITEN VON CORONA (VIII)

Mit dem achten Blatt zum „Glauben in Zeiten von Corona” endet diese Serie. Es ist mein Versuch, meinen Auftrag nachzukommen und Sie als Pfarrer geistlich zu begleiten.

„Veränderungen in der Kirche geschehen entweder durch den Hl. Geist oder die Kosaken. In der Regel durch die Kosaken.” Dieser Spruch begleitet mich schon lange. Die Kirchengeschichte erzählt oft und oft von Wandlungsschritten, die in der Kirche von außen angestoßen wurden. Etwas, was eigentlich überfällig war, konnte sich erst zeigen, als Druck von außen gekommen war .Oft sind die Wandlungsprozesse dann mit Gewalt und Zerstörung und schmerzlichen Verlusten verbunden.

Z.B. war die feudale fürstbischöfliche Kirche am Ende des 18. Jahrhunderts wohl schon aus der Zeit gefallen. Montgelas und sein Helfer haben das Ende dieser Kirchenform in der Säkularisation 1803 vollzogen. Überfällige Änderungen werden jetzt auch geschehen. Ich vermute, dass wir bald im Rückblick auf diese Wochen und Monate sagen werden: „Veränderungen in der Kirche geschehen entweder durch den Hl. Geist oder durch Corona. In der Regel durch Corona.”


Der neue Weg – Das Internet?
Ist die digitale Welt der neue Weg, den wir als Kirche jetzt beschreiten müssen? Wir haben erlebt, wie hilfreich die Möglichkeiten der Videokonferenzen, der Gottesdienstübertragungen u.ä. sein können. Diese Hilfsmittel werden bleiben und „normal” werden.

Der eigentliche Weg des Glaubens bleibt aber das konkrete Leben. Papst Franziskus hat in seiner ersten Enzyklika wunderbar formuliert, dass wir gerufen sind zur konkreten Begegnungen, zur Freude und zum Leid aneinander.

„Ebenso wie nämlich einige einen rein geistlichen Christus ohne Leib und ohne Kreuz wollen, werden zwischenmenschliche Beziehungen angestrebt, die nur durch hoch entwickelte Apparate vermittelt werden, durch Bildschirme und Systeme, die man auf Kommando ein- und ausschalten kann. Unter-dessen lädt das Evangelium uns immer ein, das Risiko der Begegnung mit dem Angesicht des anderen einzugehen, mit seiner physischen Gegenwart, die uns anfragt, mit seinem Schmerz und seinen Bitten, mit seiner ansteckenden Freude in einem ständigen unmittelbar physischen Kontakt. Der echte Glaube an den Mensch gewordenen Sohn Gottes ist untrennbar von der Selbsthingabe, von der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft, vom Dienst, von der Versöhnung mit dem Leib der anderen. Der Sohn Gottes hat uns in seiner Inkarnation zur Revolution der zärtlichen Liebe eingeladen.”

(Evangelium gaudium Nr. 88)


Der Ertrag?

Was hat sich in den letzten Wochen als bedeutsam gezeigt? Das will ich nicht nur fragen, sondern auch meine Antwort anbieten.

In der Ruhe klärt sich manches „wie von selbst”. Schön zu beobachten ist das bei einem Gemisch verschiedenster Flüssigkeiten. Solange geschüttelt wird, ist das eine irgendwie gefärbte Brühe. Erst „im Stillstand” klärt sich, was da alles vermischt war. Schicht um Schicht setzt sich ab. Es wird auch sichtbar, was mehr Gewicht hat und was eher Oberfläche ist. So erlebe ich die letzten Wochen. Im Durcheinander des Pfarreibetriebes ist alles oft ein „Gemisch von Kirche”. Auch mein Alltag ist ein Gemisch von Aufgaben, Rollen und Begegnungen. Es geht oft drunter und drüber auch innerlich: Freude, Schmerz, Erfolg, Enttäuschung können in der gleichen Minute da sein. Und es ist schwer, Unterschiede und Bedeutungen wirklich zu spüren.

In der Corona-Pause hat sich manches voneinander abgesetzt. Mir ist klarer geworden was Gewicht hat und was mehr zum Oberflächlichen gehört.

Die gewichtigste Schicht würde ich für mich mit dem Wort Erlösung/Erlöstsein beschreiben. Das meint die Zusage, dass ich ganz und gar angenommen bin. Mein Leben, wie es ist (auch mein Ster-ben), ist gehalten von einer unendlichen Liebe. Es gilt das Wort aus dem Römerbrief: Nichts vermag mich zu trennen „von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.” (Röm 8,39b) Auch Corona-Lust und Corona-Frust können mich von dieser ewigen Liebe nicht trennen. Dieser innerste Kern macht meinen Glauben, unser Christsein aus. Der darf und kann von außen nicht eingeschränkt werden.

Über dieser fundamentalen Schicht liegt, was die Theologen mit den Grunddiensten der Kirche beschreiben:

Mein Vertrauen, angenommen zu sein, will wirksam werden in der Art, wie ich anderen Menschen und der Schöpfung begegne. Die Liebe Gottes, will mein Handeln prägen, wenn ich versuche, jede Form vom Leben zu lieben, zu achten und zu ehren.
In meinem Handeln (und wenn es passt, auch in meinem Reden) wird dieses Angenommensein „aufleuchten” und so andere berühren und einladen, auch zum Quell dieser ewigen Liebe zu kommen.
In der Gemeinschaft der Glaubenden wird dieses Angenommensein „erfahrbar” und „greifbar”, wenn es Momente der Gnade gibt, die ganz von der göttlichen Liebe erfüllt sind. Das klassische Wort hierfür ist Sakrament. In der Eucharistie, in der Beichte, wird die „Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist”, real präsent. In der Gemeinschaft der Kirche darf ich das erleben und feiern.

Über diesen Kernelementen christlichen Lebens schweben dann viele Aufgaben, Haltungen, Übungen, Projekte die „dazugehören”, aber nicht zwingend sind. Gemeindliches Leben, kirchliche Unternehmungen, Pfarreiarbeit gibt dem Glauben ein Gewand und eine Gestalt. Hier ist aber vieles zeitgebunden, äußerlich, mehr oder weniger wichtig.
Das haben die letzten Wochen ja auch deutlich gezeigt. So wichtig, wie ich und wir manches halten, ist es nicht. Vieles ist ausgefallenen, war nicht möglich und „das Leben ist einfach weitergegangen”. Es hat sich nicht einmal irgendwer gerührt, sein Bedauern geäußert oder geklagt.

So erlebe ich in der Corona-Pause neu eine Ordnung meines Lebens und meines Glaubens. So klar habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Diese geordneten Verhältnisse will ich mitnehmen, wenn es jetzt wieder Richtung „Normalität” geht.

(EB)

29.04.2020

Am Anfang der Beschränkungen stand bei vielen das Gefühl: „14 Tage, das schaffen wir. Dann geht es ja normal weiter.” Inzwischen ist klar: Es dauert. Es zieht sich. Niemand weiß lange noch? Die Kraft geht langsam aus.

An diesem Punkt kann tiefer verstanden werden, was Paulus nach Korinth schreibt.

Diesen Schatz (Christuslichtes) tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. (2 Kor 4,7-9)

Jetzt ist, die Stunde in der sich zeigt, woher die Kraft kommt. Jetzt zeigt sich, wer da wirkt, wenn „es doch wieder weiter geht”.

(EB)

26.04.2020

Impuls zum Sonntag

Von den Emmaus-Jüngern heißt es: „Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.” Lk 24,16
Das griechische Wort kann auch übersetzt werden mit „ihre Augen waren gefangen genommen”. Und da will ich ergänzen: Nicht nur die Augen – auch die Herzen!

„Ganz gefangen genommen”, so sind wir seit Wochen unterwegs. Es gibt nur noch ein Thema.

Die Jünger auf dem Weg sprechen wie wir auch hin und her. Doch im Gehen mit dem geheimnisvollen ANDEREN wandelt sich die Not. Sie wird zum schlichten Gebet: Herr, bleibe bei uns!

Machen Sie diese Gebet auch zum Herzensgebet: Sagen wir IHM oft und oft: Herr, bleibe bei uns!

(EB)

25.04.2020

Glauben in Zeiten von Corona (VII)

„Gott hat eine Nacht gebraucht, um das Volk Israel aus Ägypten zu führen und 40 Jahre, um Ägypten aus dem Herzen des Volkes zu bringen.”
Das ist eine scharfe Sicht auf den Weg des Volkes Israel.

Einen Exodus erleben wir gerade auch. Manches, das sich überlebt hat, das mit sklavischer Treue noch am Leben gehalten wurde, wird nicht mehr da sein. Eine „neue Welt” will werden.
Es wird aber auch (Jahre??) dauern, bis das eingeübte Corona-Verhalten wieder aus den Herzen verschwindet.

Mit den Einschränkungen der letzten Wochen sind Haltungen eingeübt und auch gesellschaftlich anerkannt worden, die sich in den Herzen nicht festsetzen dürfen. Nicht alles, was zu Verhinderung einer Pandemie gut und sinnvoll ist, ist „in sich gut und sinnvoll”.

Der Philosoph Giorgio Agamben hat in der NZZ (neue Züricher Zeitung) pointiert formuliert, „dass die Schwelle, welche die Menschlichkeit von der Barbarei trennt, überschritten wurde. Und zwar, ohne dass man dies bemerkt hätte oder in dem man so tat, als würde man es nicht bemerken.” Wenn er Recht hat, dann geht es nicht nur um ein „Zurück in den Normalzustand”, sondern ein „Wiedergewinnen von Menschlichkeit”.

Abstand halten, Plexiglaswände zwischen Menschen, Besuchsverbote sind eine Notlösung, sind eine menschliche Not.
Auch geistlich geht das ans Innerste. Elmar Gruber hat das Wort Jesu: „Das Reich Gottes ist nahe”, so gedeutet: „Der Bereich Gottes ist die Nähe”. Ohne Nähe, ohne konkretes Miteinander verlieren wir den Zugang zum „Be-Reich Gottes”. Die Nähe darf uns nicht bleibend verlorengehen. In den Herzen darf sich nicht festsetzen, dass Nähe gleich Gefahr ist. Sonst gilt nach Corona, was Jesus gesagt hat: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?” (Mk 8,36) Wir hätten den Kampf gegen das Virus gewonnen und Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit verloren.

Papst Franziskus hat diese Sorge um das Menschliche am 2. Sonntag der Osterzeit so formuliert:

„Es besteht die Gefahr, dass uns ein noch schlimmeres Virus trifft, und zwar das eines gleichgültigen Egoismus. Es überträgt sich ausgehend von der Idee, dass das Leben besser wird, wenn es besser wird für mich, dass alles gut ausgeht, wenn es gut ausgeht für mich. Damit fängt es an, und schließlich gelangt man dazu, Menschen auszuwählen, die Armen auszusondern und diejenigen auf dem Altar des Fortschritts zu opfern, die dahinter zurückbleiben. Diese Pandemie erinnert uns jedoch daran, dass es keine Unterschiede und keine Grenzen zwischen den Betroffenen gibt. Wir sind alle zerbrechlich, alle gleich, alle wertvoll. Das was geschieht, rüttelt uns auf. Es ist an der Zeit, die Ungleichheit zu beseitigen, die Ungerechtigkeit zu heilen, die die Gesundheit der gesamten Menschheit bedroht!”

Besonders schmerzlich, ins „Menschliche einschneidend” erlebe ich die Gesichtsmasken. So hilfreich und selbstverständlich diese Schutzmaßnahme in vielen Bereichen ist, so irritierend ist, wenn die Schutzmaske zu einem normalen Kleidungsstück wird. Wer einem Kind sagt, es soll sich totstellen, kann er erleben, dass es einfach die Hände vors Gesicht hält. Kinder wissen, dass der Mensch „ohne Gesicht” verschwindet. Dass wir uns von Angesicht zu Angesicht begegnen, ist ein Herzstück menschlichen Miteinanders.
In vielen Bibeltexten fällt mir derzeit auf, wie wichtig das Angesicht ist, auch im Ringen um die Bindung an Gott. Flehentlich spricht z.B. der Beter im Psalm: „Mein Herz denkt an dich: Suchet mein Angesicht! Dein Angesicht, HERR, will ich suchen. Verbirg nicht dein Angesicht vor mir”. (Ps 27,8,9a) Das „Angesicht” ist noch wichtiger als alles andere, was von Gott erfleht werden kann: der Friede, die Gesundheit, das Leben, der Himmel.

Auf eine Empfehlung hin, habe ich in der Corona-Pause das Buch „Unverfügbarkeit” von Hartmut Rosa gelesen. Der Verfasser zeigt, wie sehr die Idee, sich alles verfügbar machen zu können, unsere moderne Welt prägt. Wir Menschen sind gewohnt, die Welt als etwas zu sehen, dass wir uns anpassen, dass wir es so machen, wie es uns gefällt. Die Umweltdiskussion – derzeit etwas im Hintergrund – macht deutlich, wie hoch der Preis für den Zugriff auf die Welt ist. Wir machen sie uns verfügbar und zerstören damit, das was uns Leben lässt.

Den Geist, alles verfügbar zu machen, sehe ich auch in der Reaktion auf die Pandemie am Werk. Bisher waren Seuchen etwas, was den Menschen zugesetzt hat, was zu erleiden war, was mit aller Wucht die Unverfügbarkeit des Lebens in Erinnerung gebracht hat.
Jetzt wird die ganze Kraft einer reichen Volkswirtschaft investiert, um das Virus zu besiegen, koste es was es wolle.
Zumindest in Deutschland scheint es zu gelingen, die Pandemie einzuhegen und kontrollierbar zu halten. Das Staunen darüber darf nicht blind machen für den Preis, den es kostet.
Allen konnte und kann nicht geholfen werden. Viele sterben, viele trauern und viele sind durch einen schweren Verlauf der Corona-Erkrankung gezeichnet. Erst die nächsten Monate werden zeigen, wie viele ihre Arbeit bleibend verloren haben, was es nach Corona alles nicht mehr geben wird. Am deutlichsten, werden die Folgen – wie immer – für die Ärmsten sein. Die Armen und auch die „arme Mutter Erde” werden die Folgen uneingeschränkt erleiden. Unter den Rettungsschirmen wird für sie – wieder einmal – kein Platz sein.

Auch für das kirchliche Leben zeichnen sich langsam die Folgen ab.
Die sieben Wochen ohne gemeinsame Gottesdienste und ohne gemeindliches Lebens wirken.

Ja, es war/ist nötig! Niemand wäre froh über eine Osternacht, die nach 14 Tagen auf der Intensivstation unseres Krankhauses statistisch nachweisbar wäre. Der Verzicht auf jede Form von Zusammenkommen ist hilfreich, um die Ansteckung zu verlangsamen und so die Gefährdung der Mitmenschen und seiner selbst, einzudämmen.

Es zeigt sich, dass in all dem ein tiefes Miteinander, Nachbarschaft, Solidarität, die „kleinen Zeichen”, Hauskirche oder Kraft im persönlichen Gebet wachsen kann oder neu beginnt.

Mich besorgt trotzdem, was wir in diesen Wochen ausprobiert und eingeübt haben. Gottesdienste und manch anderes sind „verhandelbar geworden”. Ich kann mir nicht vorstellen, dass künftig das Wort des Konzils so leicht zu wiederholen ist, „dass die Eucharistie Quelle und Höhepunkt allen christlichen Lebens ist.” Man wird jetzt immer dazusagen müssen: „In der Not geht es auch ohne!” Wir haben es ausprobiert und es ging!
Von urchristlichen Märtyrern wird erzählt, dass sie vor dem Herrscher gesagt haben: „Ohne den Sonntag (gemeint ist die Gemeinschaft in der Eucharistie) können wir nicht (leben)” Wir werden ehrlich sagen müssen: Doch, es geht irgendwie!

Dahinter stellt sich dann doch die Frage, was sich im Glauben in diesen Wochen als unverzichtbar gezeigt hat. Wovon haben Sie in ihrem Christsein nicht gelassen, lassen können? Was war Ihre eiserne Ration mit der Sie durchgekommen sind? Davon müssen wir uns erzählen .Das ist der Schatz, der im Acker der Corona-Krise zu entdecken ist. Was war es denn, von dem Sie sagen „Ohne das kann ich nicht sein”?

Auf dem Friedhof ist es selbstverständlich geworden, was schon vor der Corona-Krise sich abgezeichnet hat: „Abschied im engsten Familienkreis”. Ich hoffe, dass wir aus dieser Beschränkung auch nochmals herausfinden. Der „engste Familienkreis” ist der Ausnahmezustand. Das Normale einer kirchlichen Beerdigung, ist der Kreis der Gemeinde. Am Grab eines Menschen versammeln sich alle, die zu seinem Leben gehört haben. Bei einer christlichen Beerdigung sind das alle, die auch hoffen, sich in Gott wiederzufinden. Diese große Gemeinschaft des irdischen und ewigen Lebens ist die eigentliche Heimat eines Menschen, nicht die Familie.

Es sind bewegte Zeiten. In einer Krise entscheidet sich, wie es weiter geht. Es geht darum wach zu bleiben, dass der Geist des Lebens das Land gewinnt, meint Ihr Pfarrer Engelbert Birkle.

23.04.2020

Im vergangenen Jahr haben die Skulpturen von Andreas Kuhnlein den Weg durch die österliche Bußzeit begleitet und geprägt.
In einem Videoclip zeigt Andreas Kuhnlein seine künstlerische Reaktion auf den “Stillstand 2020”

19.04.2020

Weißer Sonntag

Die Apostelgeschichte klingt in manchen Passagen wie das Gespräch eines in die Jahre gekommenen Paars: „Weißt du noch, wie das war am Anfang? Unsere erste Liebe?” Solche Erinnerung an „die gute Zeit” steigt ja besonders in Krisenzeiten auf.

Die Lesung für den „Weißen Sonntag” erinnert an die „erste Liebe” der jungen Christengemeinde.

„Und alle, die glaubten, waren an demselben Ort und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, jedem so viel, wie er nötig hatte. Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Lauterkeit des Herzens.” (Apg 2,44-46)

HEUTE gilt es, in dieser ersten Liebe zu leben.

Am Ort zu bleiben, das ist gerade staatlich angeordnet. Hier gilt es darauf zu achten, dass jede und jeder bekommt, was nötig ist. An diesem Ort ist „der Tempel meines Betens”. Hier gibt es einen Tisch, um Mahl zu halten in Freude und Lauterkeit des Herzens.

(EB)

17.04.2020

Glauben in Zeiten von Corona (VI)

Einen Monat lang sind wir nun ohne gemeinsamen Gottesdienst hier in Weilheim (und in vielen anderen Gemeinden). Ungeahnt und unvorbereitet hat das Gemeindemitglieder und auch Verantwortliche in der Pastoral getroffen.Bis zum 3. Mai wird das sicher andauern.

Ich halte es für wichtig zu schauen, was geschieht, was sich andeutet oder gar abzeichnet. Zwischenbilanz wäre ein großes Wort. Es sind eher Zwischengedanken. Ich biete meine Eindrücke an, um Sie anzuregen, Ihre eigene Sicht für sich zu klären.

Schmerzvoll sind wir aus dem gewohnten, von vielen wirklich auch geschätzten Rhythmus unseres kirchlichen Lebens herausgenommen. Dieser Schmerz darf weder schön gedeutet noch gut geredet werden. Oft habe ich zum Beginn eines Gottesdienstes gesagt, dass der Lied-Vers: „Gott loben, das ist unser Amt” unseren Auftrag beschreibt. Dem können wir derzeit nur in der Zerstreuung nachkommen. Das ist irgendwie „ver-rückt”. Unsere Vermutung, der gewohnte Trott sei der Normalzustand, erweist sich als Irrtum. Wer global und geschichtlich denkt, wusste das schon immer. In allen Zeiten und an vielen Orten ist das „Normale”, dass Christen ihren Glauben in der Zerstreuung, vereinzelt, oft im Untergrund leben und feiern müssen. Die neutestamentlichen Briefe wenden sich ausdrücklich an die, die in der „Zerstreuung” sind. Der erste Petrusbrief ist adressiert an die „erwählten Fremden in der Diaspora (=Zerstreuung)”. (1 Petr 1,1.) Daran nehmen wir in diesen Wochen (Monaten?) teil. Und es ist scheinbar nicht nur zu unserem Schaden, das konkret zu erleben.

Staunend beobachte ich, wie viele entdecken, was trotz der Einschränkungen oder jetzt gerade auch im Glauben möglich ist. Ich ahne, dass diese Wochen „dem gemeinsamen Priestertum aller” einen Schub nach vorne geben. Viele haben Wege gesucht und gefunden, zuhause Gottesdienst zu feiern. Sie haben entdeckt, dass jeder Getaufte im Namen Gottes einen Segen sprechen kann, dass es eine Osterliturgie im Kleinen geben kann. Die Leute, die in der ZZZ-Straße Nummer Y wohnen, sind eine kleine Gebetsgemeinschaft geworden, eine Hauskirche. Aus den Osterbriefen darf ich Stimmen anfügen, wie Menschen davon erzählen:

” Wir saßen am Sonntag um 5:00 Uhr um unser Osterfeuer. Ich habe mich daran versucht, nach YouTube-Vorbild das Exultet zu singen – naja, geschimpft wurde ich immerhin nicht. Auch einige der Lesungen haben wir gelesen, nicht alle. Das gemeinsame Beten bedarf noch einiger Übung.”

” Wir sind am Ostersonntag um 5 Uhr zu Fuß auf dem Wallfahrtsweg auf den Hohenpeißenberg gepilgert (im Dunkeln und in der Morgendämmerung) und haben dort oben den Sonnenaufgang erlebt – also vom Dunkel ins Licht, zur aufgehenden Sonne gleichsam zum auferstandenen Christus. Dabei haben wir die frohe Botschaft von Ostern gelesen und die Osterkerze entzündet. Daheim gab´s dann Osterfrühstück. Es war also – trotz der vermissten Osterliturgie – ein erfülltes Osterfest.”

” Die Kirche ist ja geöffnet, und immer wieder kommen Gläubige, die ein Gebet sprechen oder eine Kerze entzünden. Das Kreuz in der Mitte der Kirche lädt uns ein, es ganz aus der Nähe und in Stille zu betrachten: Der gepeinigte Christus mit Dornenkrone und Nägeln und doch, als Zeichen der Hoffnung, schon neues Leben, das aus dem Holz sprießt. Schon lange ist mir die Leidensgeschichte nicht mehr so zu Herzen gegangen wie dieses Jahr. Auch die Texte und Anregungen für das Gebet allein oder in Gemeinschaft haben zur Besinnung auf das Wesentliche beigetragen. Besonders bewegt haben mich die Gebete, die zur Stille hinführen. Und gestern dann das Osterfest: Die Kirche sonnendurchflutet und nach Weihrauch duftend, die Osterkerze, der auferstandene Christus vor dem Hochaltar, – und doch weiterhin das Kreuz in der Mitte als Zeichen für die vielen Menschen, die leiden müssen, die krank oder einsam sind, deren Existenz bedroht ist oder die in einer Lebenskrise stecken. Doch auch da war ein Licht angezündet.”

” Ja, dieses Jahr ist es ein anderes Osterfest und es ist schon traurig, dieses nicht in der großen Familie und auch im festlichen Gottesdienst zu feiern, aber trotzdem ist Jesus ganz nah heute bei uns. Die Auferstehung Jesus ist hoffentlich für unsere Menschheit eine Auferstehung, in der wir viele Dinge anders betrachten werden und unser bisheriges Handeln ändern werden. Das nehme ich mir jedenfalls auch persönlich vor und ich weiß, dass Gott dabei an meiner Seite ist!”

” In diesen Tagen fühle ich mich im Glauben und Gebeten sehr getragen. Mir wird auch bewusst, dass der Gottesdienst ein wichtiger Mittelpunkt in meinem Leben ist.”

Brennende Herzen! Sicher nicht nur bei denen, die mir das geschrieben haben.

Viele Priester und Gemeinden sind in den letzten Wochen in die digitale Welt aufgebrochen. Live-Stream (z.B. Live-Übertragung im Internet/ Fern-sehen) ist nun auch in vielen Kirchen „selbstverständlich” geworden. Ich vermute, dass auch wir in Weilheim diesem Trend folgen werden. Bevor wir das allerdings tun, lade ich dennoch ein zu überlegen, ob die Richtung stimmt? Ein Live-Stream kann bewirken, was ein gutes Buch oder ein Fotoalbum kann. Er ruft gute Gedanken und Erinnerungen auf. Der gestreamte Gottesdienst darf aber nie so tun, als ob er ein wirklicher Gottesdienst wäre. Es gehört zum „Geheimnis unseres Glaubens”, dass Gott sich in dem Sakrament, hier an diesem Ort, in dieser Situation, greifbar und real schenkt. Diese Erfahrung ist derzeit den allermeisten nicht möglich. Der Mangel muss erlitten und ausgehalten werden und darf nicht digital/virtuell „überbrückt”, „überstreamt” werden. Auch dazu eine Stimme aus dem Volk:

” Kirchlich erleben wir Ostern tatsächlich anders. Die harte Bank ist gegen das weiche Sofa ausgetauscht. YouTube liefert eine breite Auswahl an Live-Gottesdiensten. Der Fernseher soll vermitteln. Großflächig präsentiert er das Geschehen: Tabernakel, Altar und Priester so nah wie nie. Die sonst halbvollen Kirchenbänke zeigen sich jetzt ganz leer. Die Worte des Priesters finden kein Gehör. Es fehlt die Resonanz der Gläubigen. Stimmung und Andacht wollen nicht aufkommen. Das freudige Exultet der Osterlieder, erstickt im kläglichen Gesang eines Einzelnen, den lediglich ein paar Orgelpfeifen stützen. – Nein, ich tue mir das nicht länger an und schalte um und dann ab! Ich sehne mich zurück nach dem Mittelmaß der Vergangenheit, mit dem ich gelegentlich unzufrieden war.”

Bemerkenswert finde ich auch, dass unsere Hilfs- und Gesprächsangebote kaum in Anspruch genommen werden. Da sind andere (die Presse berichtet z.B. von den Maltesern) offensichtlich besser „aufgestellt”. Scheinbar sind die Schwellen höher, als wir das bisher bemerkt haben.

Es ist wohl auch so, dass durch die Ausgehbeschränkung viele zuhause sind. D. h., dass zurzeit Nachbarschaft wahrgenommen und gelebt wird. Die Rückkehr zur Nachbarschaft und deren Belebung wäre auch einer der Corona-Gewinne, die wirklich zu preisen sind.

Beim Innehalten und Nachdenken werde ich dankbar. Gott wirkt in all dem. Dass wir dafür bald gemeinsam in einem Gottesdienst und bei geschwisterlicher Begegnung in der Gemeinde Gott danken können, hofft mit Ihnen

Ihr Pfarrer Engelbert Birkle


Am Ende der kleinen Schritte

Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird

Wenn die Menschen eines Tages erkennen, was Freiheit bedeutet, wie Gott sie uns schenkt, dann werden sie denken, sie träumen; so unfasslich schön wird sie sein. Aus vollem Herzen werden sie lachen und die Straßen werden voll sein von Tanz und Musik.
Wer es dann immer noch nicht begriff, wird am Rande des Festes stehen und staunen: So also ist Gott!
Und die Feiernden werden singen: Ja, das ist Gott! Gott hat uns das größte Geschenk gemacht.
Deshalb bring uns, Gott, an dieses Ziel, wie du einen Fluss an seine Mündung führst.
Am Ende von Kummer und Leid steht dann unbändige Freude.
Am Ende der kleinen Schritte steht uns der neue Weg offen.

Peter Spangenberg nach PS 126

13.4.2020

Freunde, dass der Mandelzweig
Wieder blüht und treibt,

Ist das nicht ein Fingerzeig,
dass die Liebe bleibt?
                                (Ben Chorin)

Am Pfarrhof sind es Birnbaum- und Apfelbaumblüten!

(EB)

11.04.2020

Glauben in Zeiten von Corona V

„Es ist Ostern!”

Es kostet einige Anstrengung, sich das bewusst zu machen: Ohne die Erfahrung der österlichen Gemeinschaft, ohne den „Zauber der Osternacht” ist es schwer(er) in die Osterfreude zu finden. Das Jahr 2020 mutet uns das zu. Versuchen wir es, in eine österliche Haltung zu finden. Knüpfen wir das österliche Band der Gemeinschaft mitten durch die Stadt. In vielen Häusern und Wohnungen sind Mitchristen, die sich der Osterfreude öffnen. Sie schauen auf das Osterlicht und sprechen dem auferstandenen Herrn zu: „DU bist mit uns!”

Das ist unsere Ostergemeinschaft. Aus dieser Gemeinschaft heraus gilt auch 2020:
„Der Herr ist wahrhaft auferstanden. Halleluja!”

Ich wünsche Ihnen Segen aus dem Osterfest.
Wir sind und bleiben als österliche Christenschar auf dem Weg!
Mit Ihnen Ihr Pfarrer Engelbert Birkle


„Unterwegs nach Emmaus”.
Das war der Titel des geistlichen Weges, zu dem wir für die Fastenzeit eingeladen hatten. Das Projekt ist schwer eingebremst. Seit drei Wochen ist es nicht mehr möglich, diesen Weg zu gehen. Das Motto passt trotzdem. Den Weg nach Emmaus gehen wir – nur anders.

Die Emmauserzählung (Lk 24) ist eine Krisengeschichte, in die sich auch unsere Erfahrungen dieser Tage gut einfügen.
Zwei Jünger gehen weg von Jerusalem. Jerusalem steht für alles, was bisher gegolten hat, alles, was im Wort der Jünger mitschwingt, wenn sie sagen: „Wir aber hatten gehofft!”
Langsam ahnen wir, wie konkret das für Menschen jetzt wird. Manche Hoffnung, Sicherheit und mancher Plan gilt nicht mehr. Viele fragen sich: „Bleibe ich gesund, werde ich gesund? Wie geht die Firma weiter? Können wir unser Haus zahlen?” Es geht bei manchen ans Eingemachte. So sind wir auf unserem Emmaus-Weg.

Ein Holzschnitt von Schmidt-Rottluff aus dem Krisenjahr 1918 am Ende des 1. Weltkriegs zeigt, wie beiden Jünger nebeneinander gehen. Auch sie sind auf Abstand. Dieser Abstand ist aber nicht leer. Der Auferstandene geht dazwischen. Den Abstand hält er mit aus und füllt ihn auch aus. Der Emmausweg wird so zu einem Pfad der Solidarität. Anrührend, wie der Auferstandene unerkannt die beiden begleitet und ihnen Verstehen schenkt.
Auch das wird jetzt so konkret. Da ist ein Anruf: „Ich wollte einfach so mal nachfragen, wie`s dir geht?” Menschen behalten einander im Blick. Wer wach ist, kann in diesen Tagen so viel Verstehen und Verständnis beobachten, dass einem das Herz aufgehen kann.

Und dann fällt das deutende Wort in all die Fragen und Klagen: „Warum der Zusammenbruch des Ganzen, warum die enttäuschten Hoffnungen?” Der unerkannte Begleiter braucht wenige Worte: „Musste nicht all das geschehen?”
Auch das höre ich in manchen Gesprächen und Kontakten der letzten Tage. Viele ahnen, dass die Corona-Krise auch etwas Heilsames, Not-Wendiges hat und haben kann. Manche sagen. „Es musste doch was kommen!”

Der Weg führt ins Haus in Emmaus. Hier am Abend beim Brotbrechen geschieht ein Erkennen, kommt „die Wahrheit ans Licht”. Es zeigt sich, was wirklich wichtig ist und trägt.
Nur im Haus von Emmaus? In manchem Haus geht in diesen Wochen neu auf, dass das „Brotbrechen”, das gemeinsam geteilte Leben das Entscheidende ist. Nicht zuletzt für uns als Kirche wird diese Erfahrung festzuhalten sein. Viele Stimmen, die sich zur kirchlichen Situation äußern, weisen darauf hin, dass durch Corona, Kirche dort wieder angekommen ist, wo sie immer auch hingehört: In die Häuser!

Wir wollten „Unterwegs nach Emmaus” sein. Dass es so konkret wird, wer konnte das ahnen. Unser Weg und der biblische Weg sind so deckungsgleich. Das lädt ein zum Vertrauen, dass wir wirklich auch vom Geheimnis des Auferstandenen begleitet sind.

Die beiden Jünger fassen ihre Erfahrung zusammen: „Brannte uns nicht das Herz?”
Wird das auch so sein, dass wir uns nach dem Emmaus-Corona-Weg von brennenden Herzen erzählen können?
Es ist sicher eine der wichtigsten Aufgaben dieser Wochen, die Momente wirklich in sich aufzunehmen, in denen das Herz brennt.
Dort nämlich hat der „Weg nach Emmaus” sein eigentliches Ziel.

(EB)

11.04.2020

Wort zu Ostern (Weilheimer Tagblatt 11.4.2020)

So ein Ostern gab es noch nie. Noch vor drei Wochen habe ich davon gesprochen, dass ein Ostern ohne Gottesdienste unvorstellbar ist. Inzwischen wissen wir: Genau so wird es sein. Die wunderbare Erfahrung der Osternacht, das Händel-Halleluja, eine Gemeinde die „Jesus lebt” schmettert, all das entfällt. Es gibt keine feierlichen Gottesdienste und keine Osterkörbe. Alle sind zu Hause mit Ausgangsbeschränkung. Gab es das wirklich noch nie?
Jedes Jahr wird am Ostertag davon gelesen, dass alle im Haus waren, hinter verschlossenen (!) Türen. Aus Angst! In Sorge um das Leben! Damals verursacht durch den Schrecken von Golgota. Heute durch Corona. Unser Ostern 2020 ist gar nicht so erstmalig, wie wir empfinden. Man muss sagen: „Es ist wieder so ein Ostern!”

Wenn die Rahmenbedingungen der Urerfahrungen ähnlich sind, vielleicht erfahren wir dann auch das Innere von Ostern deutlicher, urtümlicher. Die Jünger erleben, dass die verschlossenen Türen das Kommen des Auferstandenen nicht behindern. Durch die Mauer der Häuser, mehr noch durch die Mauern in den Herzen, lässt Jesus sich nicht aufhalten.
Die Angst der Jünger nimmt er zärtlich auf, wenn er ihnen zuspricht: „Schalom. Friede euch”.
Die biblische Zusage für unser Ostern lautet also: Es wird vieles fehlen: Aber ER wird nicht fehlen!
Der auferstandene Herr wird in den Wohnungen zugegen sein, unsichtbar: „mitten unter den Seinen.” Wer weiß, ob er sich dort nicht heimischer fühlt, als in manchem ausladenden Kirchenbau.
Er wird sich zärtlich den Sorgen zuwenden und fragen: „Was sind das für Dinge, die Euch in diesen Tagen bewegen?” Und er wird die Herzen brennend machen.

Vielleicht erwacht aus solchen Erfahrungen an diesem besonderen Ostern – das dem ersten so ähnlich ist – in manchem auch die Kraft der ersten Osterstunde. Und was wäre das für ein Ostern, wenn viele in der Kraft der erste Stunde hinter den verschlossenen Türen gläubig sprechen: „Mein Herr und mein Gott!”

(EB)

10.04.2020

Karfreitag
Auf Golgota zeigt sich, „wie Gott ist”.

  • Ein Gott, der selbst seinen geliebten Sohn nicht vor dem Leiden bewahrt!
    Wer sich unter das Kreuz stellt, kann nicht mehr leichtherzig glauben: „Der Papa wird´s schon richten!” Diesen gläubigen Reflex haben Menschen, wenn sie mit leidvollen Situationen konfrontiert werden. Die Botschaft unseres Glaubens erzählt von einem Gott, der uns das Leben zumutet. Der Kelch des Lebens will getrunken sein. Am Kreuz geht der Weg nicht vorbei, sondern hindurch.
  • Ein Gott, der sich nicht raushält, sich den Abgründen nicht entzieht. In seinem Sohn steigt er hinab in die letzte menschliche Bitterkeit.
    Wer sich unter das Kreuz stellt, kann von dem Vertrauen erfasst werden: Du bist nie allein! Alles , was dich leiden lasst. Ängste, Scham, Schuld. In allem, was dich sagen lässt: „Da muss ich allein durch”, bist du begleitet. Gott nimmt in liebevoller Treue Anteil an deinem Arg.

(EB)

09.04.2020

Gründonnerstag.
Grün leitet sich nicht von der Farbe her, sondern vom alten Wort „greinen” (= weinen). Es ist der Donnerstag, der an das Leiden und das Ringen Jesu erinnert. Es ist der Abend des Abschiedes, die Nacht der Ängste und der „Auslieferung”, die Jesus mit uns teilt – und die wir mit ihm teilen.

In diesem Jahr fällt das stille Feiern dieses Tages mit der Erinnerung an eine großen Christus-Zeugen zusammen. Vor 75 Jahren wurde am 9. April Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg hingerichtet.

Ein Wort von Bonhoeffer gibt die Richtung an für die kommenden Tage:

Christus ist nicht in die Welt gekommen,
dass wir ihn begriffen,
sondern dass wir uns an ihn klammern,
dass wir uns einfach von ihm hinreißen lassen
in das ungeheure Geschehen der Auferstehung.

(EB)

05.04.2020

Impuls zum Sonntag

Palmsonntag: Mit Wehmut sehe ich uns auf dem Kirchplatz von St. Pölten und im festlichen Zug nach Mariae Himmelfahrt. Die Erstkommunionkinder mit den Palmbuschen sind dabei. Am Palmsonntag sind sonst die Kinder mit ihren geschmückten Buschen „unser Altarschmuck”.

Wehmut ist ein kleiner Schmerz. Am Beginn dieser Heiligen Woche lenkt der Wehmut den Blick auf alles Leiden und alle Schmerzen. Für machen sind sie in den Corona-Tagen auch übergroß. Die Corona-Krise und das Feiern der Heiligen Woche bringen uns in Berührung mit dem „Geheimnis des Leidens”. Leiden ist gerade sehr konkret. Und so stellen sich die alten Fragen auch konkret: „Ist das eine Strafe? Warum diese Ängste? Wie kann Gott das zulassen?”

Uns Christen zieht die Frage nach dem Leiden zum Leidensweg Jesu Christi. An ihm zeigt sich – offenbart sich – wie das Leiden im Glauben verstanden sein mag. Das Leiden Jesu ist eine Folge davon, dass er ganz Mensch ist. Zu unserem Mensch- und Geschöpfsein, gehört das Vergehen. Wir nehmen teil am Werden und Vergehen allen Lebens. Vergehen ist immer Verlust und ist immer Leiden. Auch ihn, den geliebten Sohn, trifft „das gleiche Schicksal wie uns”. Es gehört zum Drama des Menschlichen, dass wir Menschen einander dieses Vergehen grausamer und abgründiger machen können, als es von Natur aus schon ist. Jesus erlebt und erleidet das am Kreuz. Die Folter des Kreuzes ist geprägt von Brutalität, Entwürdigung und niederer Gemeinheit. ER, der ganz menschgewordene Liebe ist, gerät in die Fänge der Bosheit und wird nicht geschont.

Was daran ist heilsame Botschaft – Evangelium?
Jesus leidet ohne Schuld. Muss dann unser Leiden in irgendeiner Schuld die Ursache haben? Auch unser Leiden ist keine Abrechnung für irgendwas im Leben, es ist schmerzlich „Teil unseres Menschseins”.
Im Leiden Jesu zeigt sich, dass der Schmerz und die Angst kein gottverlassener Zustand sind. Auch auf den schweren Wegen liegt die Zusage, dass „Gott mit uns” ist. Wenn das Leiden noch so groß wird, Gott zieht sein ICHBINDA nicht zurück. „Du wirst dich nie in einer Situation oder an einem Ort befinden, in dem Gott nicht schon da ist.” Dieses Wort von Carlo Caretto gilt auch in den schwersten Stunden.
Das Mitsein Gottes geht hinein bis in den Tod. Im Leiden Jesu Christi zeigt sich, dass der Tod nicht der Erlöser ist und schon gar nicht das letzte Wort über unserem Leben. Auch der Tod ist in Gott gehalten und überwunden. Paulus – der persönlich auch wusste was Leiden bedeutet – bringt das in das wunderbare Wort: „Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn” (Röm 8,38f).

(EB)

03.04.2020

Glauben in Zeiten von Corona IV

Heilige Woche ohne gemeinsame Gottesdienste

Für Christen ist die Heilige Woche das innerste des Glaubens, das Herz des kirchlichen Lebens. Aus der Feier der Heiligen Woche fließt alles hervor, was uns Hoffnung macht und glauben lässt. In die Heilige Woche strömt alles zurück, was nach Erbarmen und neuem Leben ruft.

Die Gottesdienste (Messe vom letzten Abendmahl, Karfreitagsliturgie und Ostern mit Osternacht und Osterfestmesse) sind wirklich das Hochfest unseres Glaubens. Dieses Hochfest fällt nicht aus, es darf nicht ausfallen. Wir sind aber gezwungen, es anders zu begehen.

Unser künftige Bischof Bertram hat uns aufgefordert, die Häuser als Kirche neu zu entdecken:

„Entdecken Sie Ihre Häuser und Wohnungen als Kirchen, als Räume, wo Sie mit Gott ins Gespräch kommen können. Die ersten Christen hatten keine eigenen Immobilien für Gott, sie stellten ihre Häuser ihm und ihren Schwestern und Brüdern zur Verfügung. Die ersten Gemeinden bauten keine Häuser aus Stein, sie selbst haben gelebt, was wir jetzt wieder brauchen: Kirche in den Häusern, Hauskirchen.”

Das wird der Weg sein, die Heilige Woche wirklich in den Häusern zu feiern. Manche werden das in der Gemeinschaft der Familie tun (können), andere werden einen Weg suchen müssen, das vielleicht unter den anderen, in der Einsamkeit des Glaubens zu tun.

Wir Priester sind aufgerufen – stellvertretend für die Gemeinde – die Feiern in der Kirche zu feiern. Das werden wir in Weilheim auch tun. Zu folgenden Zeiten planen wir in schlichter Weise – und leider nicht öffentlich – zu feiern:

Gründonnerstag 19.00 Uhr
Karfreitag 15.00 Uhr
Osternacht 22.00 Uhr (Wir werden die Osternacht in ihrer Vollform mit allen Lesungen feiern und als österliche Nachtwache gestalten.)

Wie können Sie mitfeiern?
Es gibt sicher viele Anregungen, die auf den kirchlichen Seiten des Internets angeboten werden. Besonders sei verwiesen auf die Vorlagen zum Hausgottesdienst auf der Seite des Bistums: www. bistum-augsburg.de.

Eine einfache Weise ist es, die Möglichkeiten des Gotteslob und die Bibel zu nutzen.

Palmsonntag
GL 279 oder 280 oder 766
Die Passion eröffnet die Heilige Woche. In diesem Jahr wird aus Matthäus gelesen: Mt 26,14-27,66.
Sie können das Kreuz in ihrer Wohnung mit Zweigen festlich schmücken.

Gründonnerstag
Hier in Weilheim ist das die Hl. Messe, die wir gemeinsam in der Pfarreiengemeinschaft feiern. Sind wir an diesem Abend besonders verbunden: GL 281; 1 Kor 11,23-26

Zu diesem Abend passt gut eine kleine Agape-Feier. Dabei werden Brot und Wein untereinander geteilt – als Zeichen der Verbindung in der Hauskirche, auch als Zeichen der Verbindung mit all den anderen. Ein ausführliches Modell finden Sie auf der Homepage der PG Weilheim.
Sie können dieses Gebet als Tischsegensgebet verwenden:

Guter Gott, von dir kommt unser Leben, und du erhältst es in deiner Güte. Du führst uns durch Christus, deinen geliebten Sohn, zusammen und verbindest uns in deinem Geist. Wir preisen dich für dein Wirken in unserer Hausgemeinschaft, Gemeinde, in der Kirche und in der Welt.
Segne dieses Brot und den Wein, die wir jetzt miteinander teilen, als Zeichen des Lebens, das Du uns gegeben hast, und unserer Gemeinschaft. Stärke uns im Glauben an dich und in der Liebe zu dir und untereinander. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

Karfreitag
Zur Todesstunde Jesu um 15.00 Uhr halten wir inne. Sie können um diese Zeit den Kreuzweg im GL 683 beten.

Karsamstag
Der Tag der Grabesruhe wird vielen in diesem Jahr besonders nahe sein. Die ganze Gesellschaft ist über diese Wochen in einem „Karsamstagszustand”: Man kann nichts machen, nur warten und hoffen.
Es gibt in den Kirchen kein Heiliges Grab. Die leeren Straßen, die traurigen Nachrichten um uns herum und aus der großen Welt sind in diesem Jahr für uns „Hl. Grab”.

Ostern
Der Ostermorgen will zu einem kleinen Fest in Ihren Häusern werden.
Im Pfarrbrief ist eine kleine Hausliturgie für den Morgen. Ein ausführlicher Vorschlag für eine Hausliturgie am Ostertag stellt das Bistum Augsburg zur Verfügung.
Singen Sie Osterlieder: GL 318 ff und 774 ff. Sie können im GL 675,4 beten.

Die Heilige Woche lebt von den Zeichen und Bräuchen.
Wir hatten fest geplant und auch schon vorbereitet, Ihnen zu einigen dieser Zeichen einen Zugang zu ermöglichen. Palmbuschen, Osterlicht, Osterwasser sollten Ihnen die Erfahrung ermöglichen, konkret mit der Feier in der Kirche in Verbindung zu kommen.
Auch hier mussten wir einsehen und verstehen lernen, dass zurzeit nicht geht, was sonst einfach möglich ist.
In einem Schreiben des Bistums heißt es:

„Trotz unseres vollsten Verständnisses dafür, den Pfarreiangehörigen auch in dieser schweren Zeit Ostern etwas näher bringen zu wollen Wunsch auf diese Weise Nähe zu den Gläubigen zu zeigen, müssen wir von diesen Vorhaben dringend abraten. (…) Durch das Aufstellen von Palmbuschen, Osterkerzen oder ähnlichem könnte begünstigt werden, dass der Mindestabstand der Personen nicht eingehalten wird. Es sollten in einer Zeit, in der die Menschen durch die geltende Allgemeinverfügung angehalten sind zuhause zu bleiben, keine derartigen Aktionen in öffentlichen Räumen stattfinden.”

Wir feiern Ostern 2020 in Begrenzung, in Ängsten, arm an Zeichen und ohne Erfahrung der großen Gemeinschaft.
Vielleicht finden Sie Ihre österliche Stimmung in Worten ausgedrückt, die Lothar Zenetti verfasst hat.

Wir sind in so vielen Ängsten
und siehe: wir leben, wir leben.

  • Die an Dich glauben, die gehen durch Wüsten, finden das Manna, das Wasser des Lebens im Felsen!
  • Die an Dich glauben, die gehen durch Wasser, trockenen Fußes durch reißende Flüsse!
  • Die an Dich glauben, die gehen durch Mauern, geh’n wie im Traum durch verschlossene Türen!
  • Die an Dich glauben, die gehen durch Flammen, lebende Fackeln, die doch nicht verbrennen!
  • Die an Dich glauben, die geh’n durch das Dunkel, scheinen zu sterben, und siehe, sie leben!

Mit allen Mitarbeitern
des Pastoralteams wünsche ich Ihnen gesegnete Ostertage.
Über allem gilt:

Der Herr ist wahrhaft auferstanden.
Halleluja!

Engelbert Birkle, Pfarrer

Und zu Ostern gehört der Brauch des Osterwitzes: Ostern macht Mut, gegen die Angst und den Tod anzulachen.

Ein Prediger predigt lange, sehr lange. Plötzlich steht einer der Zuhörer auf und geht. Der Prediger ruft ihm hinterher: „Wo gehen Sie hin?” „Zum Friseur”, antwortet der Gefragte. „Da hätten Sie auch vor der Predigt hingehen können!” „Da war’s noch nicht nötig.”

02.04.2020

Zu Numeri 21,4-9

Schlangen im Lager der Israeliten. Wer von einer gebissen wird stirbt. Überall können sie lauern. Die Menschen starren auf den Boden, immer die Sorge im Blick: Wie kann ich mich schützen? Was rettet mich? Die Schlangen winden sich in die Herzen und lähmen das Leben.

Rettung geschieht. Moses macht eine Schlange aus Kupfer und hängt sie auf einer Stage auf. Dann heißt es : „Wenn jemand (…) aufblickte, blieb er am Leben!”.

Ich lese das als Ermutigung, sich von den Corona-Sorgen-Schlangen nicht bannen zu lassen. Wer aufblickt bleibt am Leben. Die anderen sind da. Die Sonne scheint.
Und wer kann, wir auch zu Gott seinen Blick erheben und neu ins Vertrauen finden.

(EB)

31.3.2020

Glauben in Zeiten von Corona III

Oh komm, Gewalt der Stille,
und wandle du die Welt.

Werner Bergengruen

Die Ausgangsbeschränkungen ziehen sich. Inzwischen gibt es zahlreiche Anregungen und Möglichkeiten, die Corona-Zeit zuhause zu gestalten. Auch der kirchliche Bereich ist inzwischen „gut aufgestellt“. Wer mag kann im Halbstundentakt von einer live-Stream-Messe zur nächsten wechseln (www.katholisch.de/artikel/5031-live-auf-katholischde). Eine Anregung vermisse ich in all dem. Eigentlich ist es die naheliegende. „Jetzt ist die Zeit“, sich auf die Ruhe, das langsame Tempo wirklich einzulassen. Es geht darum, die Stille, die jetzt möglich wäre, auch zu wagen.
Ich weiß schon, dass das auch jetzt in manchen Häusern nicht möglich ist. Dort ist eine harte, irgendwie laute Zeit, weil das schwere Miteinander jetzt noch härter ist.

Es gibt aber andere, für die gibt es die Chance der Stille. An sie denke ich und frage: „Haben Sie schon mal daran gedacht, den Fernseher auszuschalten, Radio abzustellen und den PC herunterzufahren? Wenigstens für ein Weile? Was ist dann in Ihrer Wohnung? Vielleicht können Sie jetzt seit langem zum ersten Mal hören (erlauschen) was sich dann nimmer noch bemerkbar macht.“

Die geistliche Erfahrung weiß, dass diese äußere Aufmerksamkeit hilft, auch zu einem inneren Hören zu kommen.Wer die Chance der Stille ergreifen möchte, den können folgen Impulse Hilfe und Stütze sein.

Mit den besten Wünschen für ihre äußere Gesundheit und ihr inneres Heil sein.

Engelbert Birkle

Nicht nur still werden
und den Lärm abschalten, der mich umgibt.
Nicht nur entspannen
und die Nerven ruhiger werden lassen.
Das ist Ruhe, Schweigen ist mehr.

Schweigen heißt; mich los lassen,
nur einen einzigen Augenblick.
Verzichten auf mich selbst;
auf meine Wünsche, auf meine Pläne,
auf meine Sympathien und Abneigungen,
auf meine Schmerzen und meine Freuden,
auf alles, was ich von mir denke
und was ich von anderen halte, auf alle Verdienste
und auf alle Taten.

Nur einen Augenblick Du sagen,
und Gott da sein lassen.
Nur einen Augenblick sich lieben lassen,
ohne Vorbehalt, ohne Zögern, bedingungslos
und ohne auszuschließen, dass ich nachher brenne.
Das ist Schweigen vor Gott.
Dann ist Schweigen; empfangen!

Taize

29.3.2020

Impuls zum Sonntag

Wer durch die Stadt geht, mag an das Gedicht von Joseph von Eichendorff erinnert sein. Im Advent und der Weihnachtszeit gehört es zu den Klassikern:

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

Nur die letzte Zeile passt nicht. Mein eigenes Gefühl und die Stimmung mancher Gespräche der letzten Tage formulieren die letzte Zeile um: Alles sieht so traurig aus.

Und damit stehen wir wie selten mitten im Evangelium dieses Sonntags: Auch in Bethanien sind alle traurig. Jesus weint um einen Freund. In all dieser Traurigkeit fällt ein Wort des Lebens: „Lazarus, komm heraus!” Dieses Wort wirkt. Lazarus entkommt dem Grab, wird gelöst von allem was ihn bindet und kann weggehen.
Wenn das Evangelium auf das Geschehen in Bethanien schaut, schwingt immer eine zweite Ebene mit. Die Auferweckung des Lazarus mag einmalig sein, erzählt wird sie für uns jetzt, hier, heute.
Das Wort Jesu an Sie und mich heute heißt: „Mensch, komm heraus.” Etwas salopper formuliert: „Lass dich nicht hängen. Lass dich nicht einwickeln. Steh auf, stell dich dem Leben. Raus aus deiner Höhle!”

Damit die bayerische Staatsregierung jetzt nicht zittert. Das ist kein Aufruf, die Ausgangsbeschränkung nicht einzuhalten. Aber das ist ein Aufruf, in der derzeit sehr begrenzten Welt zu einer aufgerichteten Haltung (immer neu) zurückzukehren.

(EB)

28.3.2020

Die Ansprache von Papst Franziskus beim Gebet “in der Pandemie” finden Sie hier zum nachlesen: https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2020-03/wortlaut-papstpredigt-gebet-corona-pandemie.html

26.3.2020

Entdecken Sie Ihre Häuser und Wohnungen als Kirchen, als Räume, wo sie mit Gott ins Gespräch kommen können. Die ersten Christen hatten keine eigenen Immobilien für Gott, sie stellten Ihre Häuser ihm und ihren Schwestern und Brüdern zur Verfügung. Die ersten Gemeinden bauten keine Häuser aus Stein, sie selbst haben gelebt, was wir jetzt wieder brauchen: Kirche in den Häusern, Hauskirchen.
(Diözesanadministrator Dr. Bertram Meier in seiner Predigt am 4. Fastensonntag)

Eine Möglichkeit, eine Feier in der Hauskirche zu gestalten ist die Agape. Neben dem Hören auf das Wort Gottes und dem Gebet wird bei der Agape auch ein schlichtes Mahl gefeiert. Die Agape will erfahrbar machen, wir gehören hier zusammen und wollen unsere Leben im Geist der Liebe miteinander gestalten. Wir sind Teil der ganzen Welt und verbinden uns mit allen, die nach Leben und Hoffnung hungern.

Ein Modell für so eine Agape-Feier hat Pfarrer Engelbert Birkle hier als PDF zusammengestellt.

25.3.2020

Hochfest der Verkündigung des Herrn

In 9 Monaten werden wir Weihnachten feiern – und die meisten hoffentlich entspannt auf dieses Jahr mit der Corona-Pause zurückblicken.

Der heute Tag erinnert und feiert, dass sich Gott in Jesus Christus mit der Schöpfung und unserm Menschsein auf einzigartige Weise verbindet. Er nimmt menschliches, weltliches Fleisch an.

Was Maria erfährt, gilt im Grunde allen. Gott ist „eins” mit unserem Leben. Er ist der Immanuel – der Gott mit uns. Er schaut auf die Humilitas (Erdhaftigkeit; lateinisch humus)) seiner Magd. Er “ist mit uns”, die wir in diesen Tagen unsere Erdhaftigkeit, alles was bedroht und beengt, tief(er) erfahren.

22.3.2020

Impuls zum Sonntag

Die oberste Corona-Regel: Hände waschen!

Das Evangelium dieses 4. Fastensonntags erzählt vom Blindgeborenen. Ihm wird aufgetragen, seine Augen zu waschen. Er soll das in dem Teich Schiloach tun. Der Evangelist vermerkt für alle, die sich in Jerusalem nicht auskennen: Das heißt der Gesandte. Also: Im „Gesandten” soll er sich waschen. Da klingt viel Tieferes mit. Er soll sich, seine Blindheit, mit dem in Verbindung bringen, „den der Vater gesandt hat”. Er soll mit Jesus Christus „sich waschen”.

Das kann (nicht nur in Coronazeiten) gehört werden als geistliche „Seelenetikette”: Die Herzen müssen auch gewaschen werden. Sie sind blind, gebannt von Ängsten und Unsicherheiten. Wie Wasser über die Hände fließt, so soll von Jesus Christus das Herz gewaschen, das heißt berührt werden.

Wie geht das konkret? Wiederholen Sie oft am Tag eine Jesusanrufung. Tun Sie das  mindestens so oft und so intensiv, wie Sie die Hände waschen. Sprechen Sie innerlich seinen Namen: „Jesus Christus” mit größter Aufmerksamkeit. Oder sprechen sie immer neu in ihr Herz: „Jesus Christus, Sohn Davids, erbarme dich meiner”.

Die Verheißung des Evangeliums lautet, dass Sie so sehend werden, ihr Leben einen neuen Horizont und  eine neue Ausrichtung findet.

Joh 9,7: „Jesus sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.”

(EB)

21.3.2020

Eine Zusammenstellung wichtiger Anregungen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum zum Gebet in den Häusern  finden Sie auf den Seiten des Liturgischen Institutes:

20.3.2020

Glauben in Zeiten von Corona II

Die Zeit ohne gemeinsame Gottesdienste fordert uns. Die Eucharistie / Hl. Messe wird als Höhepunkt und Quelle allen christlichen Lebens bezeichnet. Das fehlt in den nächsten Wochen. Wie damit umgehen?

Zunächst ist wichtig, die Trauer zuzulassen. Wer Zugang hat zu der Kraft, die aus der Feier der Eucharistie fließt, der wird den Mangel spüren und trauern, dass das genommen ist. Die Gläubigen erleben so im Bereich der Religion, was in diesen Wochen viele in unserer Gesellschaft aushalten müssen. Allen wird auf irgendeine Weise genommen sein, was bisher Quelle des Lebens war. Für viele wird es der Sport sein, die ausgelassenen Feiern am Wochenende oder kulturelle Höhepunkte. Die Trauer darum kann sich ganz unterschiedlich äußern. Es ist sicher gut, sich bewusst zu machen, welche Gefühlszustände uns da packen können. Die Trauerforscherin Elisabeth Kübler-Ross beschreibt folgende Gefühle. Trauer kann sein:

  1. Nicht-wahrhaben-Wollen und Isolierung: „Das ist bestimmt alles ein falscher Film.“ „Das ist sicher gleich wieder vorbei.“
  2. 2. Zorn: „Jemand muss doch schuldig sein: Gott, bestimmte Menschen, eine Weltverschwörung, ….“
  3. Verhandeln: „So komme ich vielleicht irgendwie durch.“
  4. Depression: „Das ist alles nur noch schlimm!“
  5. Zustimmung: „Es tut weh, doch ich gehe Schritt für Schritt“.

Solche inneren Erfahrungen werden viele in den nächsten Wochen durchleben müssen.

Gibt es in dem schmerzlichen Vermissen der Gottesdienste einen Weg, mit dem Mangel umzugehen? Wie können wir Christen trotz allem mit Gott und untereinander verbunden bleiben?

Kaplan Stadlmayr hat am 3. Fastensonntag ein gutes Wort gesagt: „Auch wenn wir den Leib Christi nicht empfangen können, bleiben wir Leib Christi“.

In diesen Tagen kann es wichtig sein, dass wir Christen uns an diesem unsichtbaren, aber realen Verbundensein festmachen.

Jetzt gilt es zu entdecken und zu leben, was wir im Glaubensbekenntnis sagen: „Ich glaube die Kirche.“ Dabei geht es eben nicht um den Glauben an den „Betrieb der römischen katholischen Kirche“. Vielmehr sind wir eingeladen zu glauben, dass wir alle „zum Herrn gehören“ und so ihm und untereinander verbunden sind als Kirche. Das gilt unabhängig von dem, was wir sind und was geschieht.

Die Eucharistiefeier ist in normalen Zeiten die Hilfe, das „Verbundensein in Christus“ zu feiern und sich zu vergegenwärtigen. Auch wenn jetzt die Eucharistie gemeinsam nicht möglich ist. Unangetastet bleibt das Zusammengehören in Christus, das „Leib-Christi-sein“.

Wie kann dieses Verbundensein in Corona-zeiten einen anderen Ausdruck finden, wenn die gemeinsamen Gottesdienste nicht stattfinden?

Wir Priester werden weiterhin täglich die Eucharistie feiern, wie gefordert „ohne Öffentlichkeit“. Wir feiern aber immer im Bewusstsein, dass wir mit und für die Gemeinden am Altar stehen. Wir tun dies an den Werktagen immer um 19.00 Uhr. Sie können sich mit dieser Feier innerlich verbinden. Lesen Sie während dieser Zeit die Schrifttexte, die an diesem Tag gelesen werden. Im Internet finden Sie diese unter: www. erzabtei-beuron.de/schott. Sie können das Angebot des Bistums Augsburg nutzen. Dort gibt es täglich eine Haussandacht mit Schrifttexten des jeweiligen Tages unter www.bistum-augsburg.de/hausgottesdienste. Suchen sie dabei ganz bewusst eine innere Verbindung zu Christus und allen Mitchristen. Das meint die Rede von der geistlichen Kommunion.

Am Sonntag werden wir in unseren Kirchen um 10.00 Uhr zum Gebet läuten. Auch da wird von uns Priestern in Weilheim die Messe gefeiert.

Sie können sich vom Fernsehgottesdienst (9.30 Uhr im ZDF) zum Gebet mitnehmen lassen oder eine andere Form nutzen, die in diesen Wochen zahlreich angeboten wird. Besonders verweisen wir auf den Live-Stream, mit dem die Messfeiern unseres ernannten Bischofs Bertram übertragen werden (Sonntag 10.00 Uhr auf dem YouTube-Kanal von katholisch1.tv).

Ausführliche Informationen zu allen Angeboten, die über die neuen Medien möglich sind, sind auf der Homepage unseres Bistums zusammengestellt.

Sehr schmerzlich ist in diesen Tagen der Gedanke, dass alte, kranke und sterbende Menschen kaum menschliche Nähe und Beistand erfahren werden. Diese Gruppe wird besonders unter den eingeschränkten sozialen Kontakten leiden.

Es ist wunderbar zu sehen, dass viele kreativ werden. Ich mag daran erinnern, dass neu entdeckt sein will, wie sehr die kleinen Zeichen der Verbindung, der Liebe und des „Ich denke an dich“ jetzt ihre Kraft entfalten. Versuchen wir großzügig zu sein mit den kleinen und kleinsten Dingen – so wie jede und jeder kann.

Es gibt sicher schon viele Initiativen der gegenseitigen nachbarschaftlichen Hilfe. Allen, die jetzt ihre Augen für andere aufmachen und Hilfe anbieten, sei herzlich gedankt. Als Pfarrei können wir anbieten, gerade für die da zu sein, denen solche Hilfsangebote nicht zufliegen. Bitte trauen Sie sich, sich zu melden.

Es gibt inzwischen eine Liste mit jungen Leuten, die gerne das Einkaufen für die älteren Mitbürger übernehmen. Wir im Pastoralteam können das Vernetzen und auch selbst solche Dienste übernehmen.
Mache Menschen werden in den nächsten Wochen sehr allein sein. Wir bieten Ihnen an, mit

Ihnen zu sprechen. Erzählen Sie, wie es Ihnen geht. Teilen Sie uns mit, was Sie an Hilfreichem entdecken. Geben Sie uns Anregungen, was „die Menschen jetzt brauchen“.

Jemand aus dem Pastoralteam wartet an den Werktagen von 10-12-und von 16-18 Uhr auf Ihren Anruf. Rufen Sie die Nummer
0881 9277184 -16 an.

Schwere Zeiten sind nicht einfach. Das klingt banal. Es ist aber wichtig, sich das bewusst zu machen. Die meisten unter uns sind zum ersten Mal im Leben gefordert, mit einem wirklichen Abbruch des Gewohnten umzugehen.

Orientierung kann ein Gedicht von Hilde Domin geben. Ihre Zeilen sind lebensnah und hoffnungsvoll.

„Der Wunsch, verschont zu bleiben taugt nicht.“ Alle werden auf ihre Weise an der Coronakrise Anteil haben, weil sie krank werden, weil sie durcheinander sind, weil ihre beruflichen und wirtschaftlichen Perspektiven einstürzen. Manchen wird es bis an die „Herzhaut“ gehen.

Aber da ist kein dunkles Loch, sondern es taugt die Bitte, dass sich alles verwandelt, dass die gefallenen Blütenblätter am Boden „noch eine leuchtende Krone“ bilden.

Wir dürfen mit den Worten dieses Gedichtes zuversichtlich sein, dass jede und jeder persönlich und wir als Gesellschaft „immer versehrter und immer heiler stets von neuem zu uns selbst entlassen werden.“ 

Bitte 

Wir werden eingetaucht
und mit dem Wasser der Sintflut gewaschen,
wir werden durchnässt
bis auf die Herzhaut.

Der Wunsch nach der Landschaft
diesseits der Tränengrenze
taugt nicht,
der Wunsch, den Blütenfrühling zu halten,
der Wunsch, verschont zu bleiben,
taugt nicht.

 Es taugt die Bitte,
dass bei Sonnenaufgang die Taube
den Zweig vom Ölbaum bringe,
dass die Frucht so bunt wie die Blüte sei,
dass noch die Blätter der Rose am Boden
eine leuchtende Krone bilden,
und dass wir aus der Flut,
dass wir aus der Löwengrube und dem feurigem Ofen
immer versehrter und immer heiler
stets von neuem
zu uns selbst
entlassen werden.

Hilde Domin

(EB)

17.3.2020

Impuls aus den Texten der Hl. Messe:

Viele Texte der Bibel stammen aus der Erfahrung des Exils. Das Volk Israel erlebt, dass „ihm alles genommen“ ist. diese Erfahrungen wird zum Klagegebet, zur Lebensdeutung und zum Hoffnungstext.

Auf dem Hintergrund der Corona-Epidemie klingt manches hochaktuell.

In der Lesung , die heute in der Messe zu lesen ist (wäre), steht: „ Wir haben in dieser Zeit weder Vorsteher noch Propheten und keinen, der uns anführt, weder Brandopfer noch Schlachtopfer, weder Speiseopfer noch Räucherwerk, noch einen Ort, um dir die Erstlingsgaben darzubringen und um Erbarmen zu finden bei dir. Du aber nimm uns an!“ (Dan 3,38f)

Das kann ich doch heute so hören: Vieles ist mir genommen. Ich habe weder die Möglichkeit Reisen zu machen , noch mich mit anderen zu treffen. Ich habe nicht die Sicherheit zu wissen, wie es morgen sein wird. Es gibt keinen Ort, um das Leben (und Gott im Leben) zu feiern. Was aber bleibt ist, dass ich mich selber habe und ich mich selber geben kann: „Du aber nimm mich an!“

(EB)

14.3.2020

Glauben in Zeiten von Corona I

Undenkbares geschieht in diesen Tagen. Wer hätte an Weihnachten gedacht, dass die komplette Kinderbetreuung für Wochen nicht mehr angeboten wird, dass das kulturelle, sportliche und öffentliche Leben wochenlang kaum mehr stattfindet.

Auch das kirchliche Leben erfährt tiefe Einschränkungen. Noch sind die liturgischen Feiern ausgeschlossen. Aber Italien, Österreich und das Erzbistum München lassen ahnen, dass auch bei uns die Feier der Gottesdienste nicht möglich sein kann.

Wie können Sie als Christin und Christ eine Einstellung zu all dem finden?

Jede und jeder wird auf seine Art reagieren, wie mit dem Undenkbaren umzugehen ist. „Das darf nicht sein! Das soll nicht sein!“ sind verständliche erste Reaktionen. Ein zweiter Schritt wird dann sein, sich dem Unangenehmen zu stellen.
Das ist auch die geistliche Aufgabe in diesen Zeiten: Dem Schmerz nicht auszuweichen. Das Unangenehme nicht von sich zu stoßen. Ein alter geistlicher Grundsatz lautet: Was nicht angenommen ist, kann auch nicht verwandelt werden. Unser Auftrag als Christen besteht sicher darin, diese Haltung einzunehmen. Im Blick auf einen Gott, der mit den Leidenden solidarisch ist, können wir diesen Weg gehen.

Als Zeichen der Nähe Gottes in diesen Zeiten stellen wir das Lebensbaumkreuz in Mariae Himmelfahrt mitten unter die Leute. Dieses Kreuz begleitet uns Weilheimer als Gnadenbild seit Jahrhunderten. Es will auch jetzt ein Zufluchtsort sein. Mit allen Ängsten, Fragen, allem Ungelösten können Sie sich hier mit Christus besonders verbinden. Unter den ausgebreiteten Armen des Erlösers dürfen Sie beten: „Unter deinen Schwingen finde ich Zuflucht!“ (Ps 91)

Die Corona-Krise stellt auch die Frage, wie weit unsere Solidarität und unsere Nächstenliebe reichen? Jetzt gilt es, sich den Maßnahmen zu unterwerfen, die dem „Schutz der anderen“ dienen.

Jetzt müssen wir Wege suchen, den Menschen verbunden zu bleiben, die unseren Beistand brauchen. Da ist vor allem an die alten Menschen und die Kranken zu denken, die keine Besuche mehr erleben. Nutzen wir die technischen Möglichkeiten (Telefon etc.), um mit diesen Menschen in Verbindung zu bleiben.

Bleiben wir auch solidarisch mit denen, die in den Wochen die Entscheidungen in Staat und Kirche treffen (müssen). Es ist naheliegend, seine Enttäuschung und seinen Frust in Wut gegen die Politiker und Kirchenleitung umzumünzen. Fair und christlich ist das aber nicht.

Welche Deutungen bieten sich für einen gläubigen Umgang mit den Herausforderungen dieser Tage an?

Man kann wohl sagen, dass wir und die ganze Gesellschaft eine „Fastenzeit ganz eigener Prägung“ zu leben haben. Als Gesellschaft erleben wir gerade eine Situation, die sich mit den biblischen Erfahrungen von Wüste verbindet. Das Motto, mit dem wir in Weilheim in die Fastenzeit gestartet sind, hat inzwischen eine ganze neue Wucht: „Wenn Gott uns in die Wüste führt…“:

  • Die vertrauten Wege und die gewohnten Sicherheiten sind „Wie vom Winde verweht“.
  • Es gibt niemand, der weiß, wie lange dieser Zustand andauert.
  • Das, was bisher genährt hat, ist plötzlich weg. Kulturelle Zerstreuungen, öffentliche Feste, ein Bad in der Menge, Reisen und Ausflüge, waren doch wie „Nahrung für die Seele“. Jetzt gibt es das alles nicht mehr. Alle sind gefordert, auf die Notration zurückzugreifen.

Es zeigt sich nun, was ich mich hält, wenn so vieles nicht da ist. Was nährt und stärkt mich, wenn all die äußeren Impulse wegfallen? Auch diese Einsichten können wehtun, sind aber sicher heilsam!

In der Tradition des Volkes Israel gab es das Brachjahr. Alle sieben Jahre sollte das Land Ruhe haben. So eine Brachzeit erleben wir als Gesellschaft, Kirche, als Pfarrei und als Einzelne.

Im Wegfallen und Streichen birgt sich auch die Chance einer Klärung. Was üblich und selbstverständlich war, fehlt jetzt. Es wird sich in den nächsten Wochen zeigen, was sich überlebt hat, was schmerzlich fehlt und was künftig anders oder neu sein soll.

Gefordert sind wir auch mit unserem Beten. Wenn das gemeinsame Gebet in den Kirchen eingeschränkt wird bzw. gar nicht mehr möglich ist, dann braucht es intensiveres privates Gebet.

Suchen Sie bitte jetzt Wege, zu Hause in der familiären Gemeinschaft miteinander zu beten und so im Bund mit Gott zu bleiben. Die Anregung „Hauskirche zu sein bekommt in diesen Wochen ein besondere Dringlichkeit. Singen Sie Lieder des Glaubens, lesen Sie eine Bibelstelle, sprechen Sie Gebete. Anregungen dazu finden sich im Gotteslob und im Internet. (z.B. www.erzabtei-beuron.de/schott oder www.stundengebet.de)

Manches Wort der Bibel bekommt in solchen Tagen einen neuen Klang und entfaltet seine Kraft. Der Prophet Habakuk beschreibt, was wir in den nächsten Wochen erleben werden:

„Zwar blüht der Feigenbaum nicht,
an den Reben ist nichts zu ernten,
der Ölbaum bringt keinen Ertrag,
die Kornfelder tragen keine Frucht;
im Pferch sind keine Schafe,
im Stall steht kein Rind mehr.
Dennoch will ich jubeln über den Herrn
und mich freuen über Gott, meinen Retter“ (Hab 3,17f).

Eine Hilfe kann auch sein, sich mit all denen zu verbinden, die aus anderen Gründen mit einem eingeschränkten Leben und Glauben zurechtkommen müssen. Wie viele sind durch Krankheit und Behinderung zu einem Leben gezwungen, wie wir es jetzt erleben? Wie viele sind weltweit in Lagern und Gefängnissen auch in eine „Wüste“ geworfen und müssen darin zurechtkommen?

Zahlreich sind Zeugnisse von Menschen, die in solchen Zeiten, als ihnen alles genommen war, zu neuen Tiefen gelangt sind. Hier sei an Alfred Delp erinnert, der in der Einzelhaft, in der Ahnung, dass er von den Nazis zu Tode gebracht wird, solche Gedanken schreibt:

„Das Eine ist mir so klar und spürbar wie selten: Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen, wir aber sind oft blind. Wir bleiben in den schönen und bösen Stunden hängen und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt, an dem sie aus Gott herausströmen. Das gilt für alles Schöne und auch für das Elend. In allem will Gott Begegnung feiern und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort.“

Engelbert Birkle


Gott,
du bist die Quelle des Lebens….
Du schenkst uns Hoffnung und Trost in schweren Zeiten.
Dankbar erinnern wir uns an deinen Sohn Jesus Christus,
der viele Menschen in deinem Namen heilte
und ihnen Gesundheit schenkte.

Angesichts der weltweiten Verbreitung
von Krankheit und Not bitten wir dich:

Lass nicht zu, dass Unsicherheit und Angst uns lähmen.
Sei uns nahe in der Kraft des Heiligen Geistes.
Lass uns besonnen und verantwortungsvoll handeln
und unseren Alltag gestalten.
Schenke uns Gelassenheit und die Bereitschaft,
einander zu helfen und beizustehen.

Sei mit allen, die politische Verantwortung tragen.
Sei mit allen, die gefährdete und kranke Menschen
begleiten und sie medizinisch versorgen.

Lass uns erfinderisch sein in der Sorge füreinander
und schenke uns den Mut zu Solidarität und Achtsamkeit.

Gott, steh uns bei in dieser Zeit, stärke und segne uns.
Amen.

P: Norbert Becker

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