IMPULSE ZUM GLAUBEN IN ZEITEN VON CORONA

02.04.2020

Zu Numeri 21,4-9

Schlangen im Lager der Israeliten. Wer von einer gebissen wird stirbt. Überall können sie lauern. Die Menschen starren auf den Boden, immer die Sorge im Blick: Wie kann ich mich schützen? Was rettet mich? Die Schlangen winden sich in die Herzen und lähmen das Leben.

Rettung geschieht. Moses macht eine Schlange aus Kupfer und hängt sie auf einer Stage auf. Dann heißt es : „Wenn jemand (…) aufblickte, blieb er am Leben!”.

Ich lese das als Ermutigung, sich von den Corona-Sorgen-Schlangen nicht bannen zu lassen. Wer aufblickt bleibt am Leben. Die anderen sind da. Die Sonne scheint.
Und wer kann, wir auch zu Gott seinen Blick erheben und neu ins Vertrauen finden.

(EB)

31.3.2020

 

Glauben in Zeiten von Corona III

Oh komm, Gewalt der Stille,
und wandle du die Welt.

Werner Bergengruen

Die Ausgangsbeschränkungen ziehen sich. Inzwischen gibt es zahlreiche Anregungen und Möglichkeiten, die Corona-Zeit zuhause zu gestalten. Auch der kirchliche Bereich ist inzwischen „gut aufgestellt“. Wer mag kann im Halbstundentakt von einer live-Stream-Messe zur nächsten wechseln (www.katholisch.de/artikel/5031-live-auf-katholischde). Eine Anregung vermisse ich in all dem. Eigentlich ist es die naheliegende. „Jetzt ist die Zeit“, sich auf die Ruhe, das langsame Tempo wirklich einzulassen. Es geht darum, die Stille, die jetzt möglich wäre, auch zu wagen.
Ich weiß schon, dass das auch jetzt in manchen Häusern nicht möglich ist. Dort ist eine harte, irgendwie laute Zeit, weil das schwere Miteinander jetzt noch härter ist.

Es gibt aber andere, für die gibt es die Chance der Stille. An sie denke ich und frage: „Haben Sie schon mal daran gedacht, den Fernseher auszuschalten, Radio abzustellen und den PC herunterzufahren? Wenigstens für ein Weile? Was ist dann in Ihrer Wohnung? Vielleicht können Sie jetzt seit langem zum ersten Mal hören (erlauschen) was sich dann nimmer noch bemerkbar macht.“

Die geistliche Erfahrung weiß, dass diese äußere Aufmerksamkeit hilft, auch zu einem inneren Hören zu kommen.Wer die Chance der Stille ergreifen möchte, den können folgen Impulse Hilfe und Stütze sein.

Mit den besten Wünschen für ihre äußere Gesundheit und ihr inneres Heil sein.

Engelbert Birkle

Nicht nur still werden
und den Lärm abschalten, der mich umgibt.
Nicht nur entspannen
und die Nerven ruhiger werden lassen.
Das ist Ruhe, Schweigen ist mehr.

Schweigen heißt; mich los lassen,
nur einen einzigen Augenblick.
Verzichten auf mich selbst;
auf meine Wünsche, auf meine Pläne,
auf meine Sympathien und Abneigungen,
auf meine Schmerzen und meine Freuden,
auf alles, was ich von mir denke
und was ich von anderen halte, auf alle Verdienste
und auf alle Taten.

Nur einen Augenblick Du sagen,
und Gott da sein lassen.
Nur einen Augenblick sich lieben lassen,
ohne Vorbehalt, ohne Zögern, bedingungslos
und ohne auszuschließen, dass ich nachher brenne.
Das ist Schweigen vor Gott.
Dann ist Schweigen; empfangen!

Taize

29.3.2020

Impuls zum Sonntag

Wer durch die Stadt geht, mag an das Gedicht von Joseph von Eichendorff erinnert sein. Im Advent und der Weihnachtszeit gehört es zu den Klassikern:

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

Nur die letzte Zeile passt nicht. Mein eigenes Gefühl und die Stimmung mancher Gespräche der letzten Tage formulieren die letzte Zeile um: Alles sieht so traurig aus.

Und damit stehen wir wie selten mitten im Evangelium dieses Sonntags: Auch in Bethanien sind alle traurig. Jesus weint um einen Freund. In all dieser Traurigkeit fällt ein Wort des Lebens: „Lazarus, komm heraus!” Dieses Wort wirkt. Lazarus entkommt dem Grab, wird gelöst von allem was ihn bindet und kann weggehen.

Wenn das Evangelium auf das Geschehen in Bethanien schaut, schwingt immer eine zweite Ebene mit. Die Auferweckung des Lazarus mag einmalig sein, erzählt wird sie für uns jetzt, hier, heute.

Das Wort Jesu an Sie und mich heute heißt: „Mensch, komm heraus.” Etwas salopper formuliert: „Lass dich nicht hängen. Lass dich nicht einwickeln. Steh auf, stell dich dem Leben. Raus aus deiner Höhle!”

Damit die bayerische Staatsregierung jetzt nicht zittert. Das ist kein Aufruf, die Ausgangsbeschränkung nicht einzuhalten. Aber das ist ein Aufruf, in der derzeit sehr begrenzten Welt zu einer aufgerichteten Haltung (immer neu) zurückzukehren.

(EB)

28.3.2020

Die Ansprache von Papst Franziskus beim Gebet “in der Pandemie” finden Sie hier zum nachlesen: https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2020-03/wortlaut-papstpredigt-gebet-corona-pandemie.html

26.3.2020

Entdecken Sie Ihre Häuser und Wohnungen als Kirchen, als Räume, wo sie mit Gott ins Gespräch kommen können. Die ersten Christen hatten keine eigenen Immobilien für Gott, sie stellten Ihre Häuser ihm und ihren Schwestern und Brüdern zur Verfügung. Die ersten Gemeinden bauten keine Häuser aus Stein, sie selbst haben gelebt, was wir jetzt wieder brauchen: Kirche in den Häusern, Hauskirchen.
(Diözesanadministrator Dr. Bertram Meier in seiner Predigt am 4. Fastensonntag)

Eine Möglichkeit, eine Feier in der Hauskirche zu gestalten ist die Agape. Neben dem Hören auf das Wort Gottes und dem Gebet wird bei der Agape auch ein schlichtes Mahl gefeiert. Die Agape will erfahrbar machen, wir gehören hier zusammen und wollen unsere Leben im Geist der Liebe miteinander gestalten. Wir sind Teil der ganzen Welt und verbinden uns mit allen, die nach Leben und Hoffnung hungern.

Ein Modell für so eine Feier hat Pfarrer Engelbert Birkle hier als PDF zusammengestellt.

25.3.2020

Hochfest der Verkündigung des Herrn

In 9 Monaten werden wir Weihnachten feiern – und die meisten hoffentlich entspannt auf dieses Jahr mit der Corona-Pause zurückblicken.

Der heute Tag erinnert und feiert, dass sich Gott in Jesus Christus mit der Schöpfung und unserm Menschsein auf einzigartige Weise verbindet. Er nimmt menschliches, weltliches Fleisch an.

Was Maria erfährt, gilt im Grunde allen. Gott ist „eins” mit unserem Leben. Er ist der Immanuel – der Gott mit uns. Er schaut auf die Humilitas (Erdhaftigkeit; lateinisch humus)) seiner Magd. Er “ist mit uns”, die wir in diesen Tagen unsere Erdhaftigkeit, alles was bedroht und beengt, tief(er) erfahren.

22.3.2020

Impuls zum Sonntag

Die oberste Corona-Regel: Hände waschen!

Das Evangelium dieses 4. Fastensonntags erzählt vom Blindgeborenen. Ihm wird aufgetragen, seine Augen zu waschen. Er soll das in dem Teich Schiloach tun. Der Evangelist vermerkt für alle, die sich in Jerusalem nicht auskennen: Das heißt der Gesandte. Also: Im „Gesandten” soll er sich waschen. Da klingt viel Tieferes mit. Er soll sich, seine Blindheit, mit dem in Verbindung bringen, „den der Vater gesandt hat”. Er soll mit Jesus Christus „sich waschen”.

Das kann (nicht nur in Coronazeiten) gehört werden als geistliche „Seelenetikette”: Die Herzen müssen auch gewaschen werden. Sie sind blind, gebannt von Ängsten und Unsicherheiten. Wie Wasser über die Hände fließt, so soll von Jesus Christus das Herz gewaschen, das heißt berührt werden.

Wie geht das konkret? Wiederholen Sie oft am Tag eine Jesusanrufung. Tun Sie das  mindestens so oft und so intensiv, wie Sie die Hände waschen. Sprechen Sie innerlich seinen Namen: „Jesus Christus” mit größter Aufmerksamkeit. Oder sprechen sie immer neu in ihr Herz: „Jesus Christus, Sohn Davids, erbarme dich meiner”.

Die Verheißung des Evangeliums lautet, dass Sie so sehend werden, ihr Leben einen neuen Horizont und  eine neue Ausrichtung findet.

Joh 9,7: „Jesus sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.”

(EB)

21.3.2020

Eine Zusammenstellung wichtiger Anregungen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum zum Gebet in den Häusern  finden Sie auf den Seiten des Liturgischen Institutes:

20.3.2020

Glauben in Zeiten von Corona II

Die Zeit ohne gemeinsame Gottesdienste fordert uns. Die Eucharistie / Hl. Messe wird als Höhepunkt und Quelle allen christlichen Lebens bezeichnet. Das fehlt in den nächsten Wochen. Wie damit umgehen?

Zunächst ist wichtig, die Trauer zuzulassen. Wer Zugang hat zu der Kraft, die aus der Feier der Eucharistie fließt, der wird den Mangel spüren und trauern, dass das genommen ist. Die Gläubigen erleben so im Bereich der Religion, was in diesen Wochen viele in unserer Gesellschaft aushalten müssen. Allen wird auf irgendeine Weise genommen sein, was bisher Quelle des Lebens war. Für viele wird es der Sport sein, die ausgelassenen Feiern am Wochenende oder kulturelle Höhepunkte. Die Trauer darum kann sich ganz unterschiedlich äußern. Es ist sicher gut, sich bewusst zu machen, welche Gefühlszustände uns da packen können. Die Trauerforscherin Elisabeth Kübler-Ross beschreibt folgende Gefühle. Trauer kann sein:

  1. Nicht-wahrhaben-Wollen und Isolierung: „Das ist bestimmt alles ein falscher Film.“ „Das ist sicher gleich wieder vorbei.“
  2. 2. Zorn: „Jemand muss doch schuldig sein: Gott, bestimmte Menschen, eine Weltverschwörung, ….“
  3. Verhandeln: „So komme ich vielleicht irgendwie durch.“
  4. Depression: „Das ist alles nur noch schlimm!“
  5. Zustimmung: „Es tut weh, doch ich gehe Schritt für Schritt“.

Solche inneren Erfahrungen werden viele in den nächsten Wochen durchleben müssen.

Gibt es in dem schmerzlichen Vermissen der Gottesdienste einen Weg, mit dem Mangel umzugehen? Wie können wir Christen trotz allem mit Gott und untereinander verbunden bleiben?

Kaplan Stadlmayr hat am 3. Fastensonntag ein gutes Wort gesagt: „Auch wenn wir den Leib Christi nicht empfangen können, bleiben wir Leib Christi“.

In diesen Tagen kann es wichtig sein, dass wir Christen uns an diesem unsichtbaren, aber realen Verbundensein festmachen.

Jetzt gilt es zu entdecken und zu leben, was wir im Glaubensbekenntnis sagen: „Ich glaube die Kirche.“ Dabei geht es eben nicht um den Glauben an den „Betrieb der römischen katholischen Kirche“. Vielmehr sind wir eingeladen zu glauben, dass wir alle „zum Herrn gehören“ und so ihm und untereinander verbunden sind als Kirche. Das gilt unabhängig von dem, was wir sind und was geschieht.

Die Eucharistiefeier ist in normalen Zeiten die Hilfe, das „Verbundensein in Christus“ zu feiern und sich zu vergegenwärtigen. Auch wenn jetzt die Eucharistie gemeinsam nicht möglich ist. Unangetastet bleibt das Zusammengehören in Christus, das „Leib-Christi-sein“.

Wie kann dieses Verbundensein in Corona-zeiten einen anderen Ausdruck finden, wenn die gemeinsamen Gottesdienste nicht stattfinden?

Wir Priester werden weiterhin täglich die Eucharistie feiern, wie gefordert „ohne Öffentlichkeit“. Wir feiern aber immer im Bewusstsein, dass wir mit und für die Gemeinden am Altar stehen. Wir tun dies an den Werktagen immer um 19.00 Uhr. Sie können sich mit dieser Feier innerlich verbinden. Lesen Sie während dieser Zeit die Schrifttexte, die an diesem Tag gelesen werden. Im Internet finden Sie diese unter: www. erzabtei-beuron.de/schott. Sie können das Angebot des Bistums Augsburg nutzen. Dort gibt es täglich eine Haussandacht mit Schrifttexten des jeweiligen Tages unter www.bistum-augsburg.de/hausgottesdienste. Suchen sie dabei ganz bewusst eine innere Verbindung zu Christus und allen Mitchristen. Das meint die Rede von der geistlichen Kommunion.

Am Sonntag werden wir in unseren Kirchen um 10.00 Uhr zum Gebet läuten. Auch da wird von uns Priestern in Weilheim die Messe gefeiert.

Sie können sich vom Fernsehgottesdienst (9.30 Uhr im ZDF) zum Gebet mitnehmen lassen oder eine andere Form nutzen, die in diesen Wochen zahlreich angeboten wird. Besonders verweisen wir auf den Live-Stream, mit dem die Messfeiern unseres ernannten Bischofs Bertram übertragen werden (Sonntag 10.00 Uhr auf dem YouTube-Kanal von katholisch1.tv).

Ausführliche Informationen zu allen Angeboten, die über die neuen Medien möglich sind, sind auf der Homepage unseres Bistums zusammengestellt.

Sehr schmerzlich ist in diesen Tagen der Gedanke, dass alte, kranke und sterbende Menschen kaum menschliche Nähe und Beistand erfahren werden. Diese Gruppe wird besonders unter den eingeschränkten sozialen Kontakten leiden.

Es ist wunderbar zu sehen, dass viele kreativ werden. Ich mag daran erinnern, dass neu entdeckt sein will, wie sehr die kleinen Zeichen der Verbindung, der Liebe und des „Ich denke an dich“ jetzt ihre Kraft entfalten. Versuchen wir großzügig zu sein mit den kleinen und kleinsten Dingen – so wie jede und jeder kann.

Es gibt sicher schon viele Initiativen der gegenseitigen nachbarschaftlichen Hilfe. Allen, die jetzt ihre Augen für andere aufmachen und Hilfe anbieten, sei herzlich gedankt. Als Pfarrei können wir anbieten, gerade für die da zu sein, denen solche Hilfsangebote nicht zufliegen. Bitte trauen Sie sich, sich zu melden.

Es gibt inzwischen eine Liste mit jungen Leuten, die gerne das Einkaufen für die älteren Mitbürger übernehmen. Wir im Pastoralteam können das Vernetzen und auch selbst solche Dienste übernehmen.
Mache Menschen werden in den nächsten Wochen sehr allein sein. Wir bieten Ihnen an, mit

Ihnen zu sprechen. Erzählen Sie, wie es Ihnen geht. Teilen Sie uns mit, was Sie an Hilfreichem entdecken. Geben Sie uns Anregungen, was „die Menschen jetzt brauchen“.

Jemand aus dem Pastoralteam wartet an den Werktagen von 10-12-und von 16-18 Uhr auf Ihren Anruf. Rufen Sie die Nummer
0881 9277184 -16 an.

Schwere Zeiten sind nicht einfach. Das klingt banal. Es ist aber wichtig, sich das bewusst zu machen. Die meisten unter uns sind zum ersten Mal im Leben gefordert, mit einem wirklichen Abbruch des Gewohnten umzugehen.

Orientierung kann ein Gedicht von Hilde Domin geben. Ihre Zeilen sind lebensnah und hoffnungsvoll.

„Der Wunsch, verschont zu bleiben taugt nicht.“ Alle werden auf ihre Weise an der Coronakrise Anteil haben, weil sie krank werden, weil sie durcheinander sind, weil ihre beruflichen und wirtschaftlichen Perspektiven einstürzen. Manchen wird es bis an die „Herzhaut“ gehen.

Aber da ist kein dunkles Loch, sondern es taugt die Bitte, dass sich alles verwandelt, dass die gefallenen Blütenblätter am Boden „noch eine leuchtende Krone“ bilden.

Wir dürfen mit den Worten dieses Gedichtes zuversichtlich sein, dass jede und jeder persönlich und wir als Gesellschaft „immer versehrter und immer heiler stets von neuem zu uns selbst entlassen werden.“ 

Bitte 

Wir werden eingetaucht
und mit dem Wasser der Sintflut gewaschen,
wir werden durchnässt
bis auf die Herzhaut.

Der Wunsch nach der Landschaft
diesseits der Tränengrenze
taugt nicht,
der Wunsch, den Blütenfrühling zu halten,
der Wunsch, verschont zu bleiben,
taugt nicht.

 Es taugt die Bitte,
dass bei Sonnenaufgang die Taube
den Zweig vom Ölbaum bringe,
dass die Frucht so bunt wie die Blüte sei,
dass noch die Blätter der Rose am Boden
eine leuchtende Krone bilden,
und dass wir aus der Flut,
dass wir aus der Löwengrube und dem feurigem Ofen
immer versehrter und immer heiler
stets von neuem
zu uns selbst
entlassen werden.

Hilde Domin

(EB)

17.3.2020

Impuls aus den Texten der Hl. Messe:

Viele Texte der Bibel stammen aus der Erfahrung des Exils. Das Volk Israel erlebt, dass „ihm alles genommen“ ist. diese Erfahrungen wird zum Klagegebet, zur Lebensdeutung und zum Hoffnungstext.

Auf dem Hintergrund der Corona-Epidemie klingt manches hochaktuell.

In der Lesung , die heute in der Messe zu lesen ist (wäre), steht: „ Wir haben in dieser Zeit weder Vorsteher noch Propheten und keinen, der uns anführt, weder Brandopfer noch Schlachtopfer, weder Speiseopfer noch Räucherwerk, noch einen Ort, um dir die Erstlingsgaben darzubringen und um Erbarmen zu finden bei dir. Du aber nimm uns an!“ (Dan 3,38f)

Das kann ich doch heute so hören: Vieles ist mir genommen. Ich habe weder die Möglichkeit Reisen zu machen , noch mich mit anderen zu treffen. Ich habe nicht die Sicherheit zu wissen, wie es morgen sein wird. Es gibt keinen Ort, um das Leben (und Gott im Leben) zu feiern. Was aber bleibt ist, dass ich mich selber habe und ich mich selber geben kann: „Du aber nimm mich an!“

(EB)

14.3.2020

Glauben in Zeiten von Corona I

Undenkbares geschieht in diesen Tagen. Wer hätte an Weihnachten gedacht, dass die komplette Kinderbetreuung für Wochen nicht mehr angeboten wird, dass das kulturelle, sportliche und öffentliche Leben wochenlang kaum mehr stattfindet.

Auch das kirchliche Leben erfährt tiefe Einschränkungen. Noch sind die liturgischen Feiern ausgeschlossen. Aber Italien, Österreich und das Erzbistum München lassen ahnen, dass auch bei uns die Feier der Gottesdienste nicht möglich sein kann.

Wie können Sie als Christin und Christ eine Einstellung zu all dem finden?

Jede und jeder wird auf seine Art reagieren, wie mit dem Undenkbaren umzugehen ist. „Das darf nicht sein! Das soll nicht sein!“ sind verständliche erste Reaktionen. Ein zweiter Schritt wird dann sein, sich dem Unangenehmen zu stellen.
Das ist auch die geistliche Aufgabe in diesen Zeiten: Dem Schmerz nicht auszuweichen. Das Unangenehme nicht von sich zu stoßen. Ein alter geistlicher Grundsatz lautet: Was nicht angenommen ist, kann auch nicht verwandelt werden. Unser Auftrag als Christen besteht sicher darin, diese Haltung einzunehmen. Im Blick auf einen Gott, der mit den Leidenden solidarisch ist, können wir diesen Weg gehen.

Als Zeichen der Nähe Gottes in diesen Zeiten stellen wir das Lebensbaumkreuz in Mariae Himmelfahrt mitten unter die Leute. Dieses Kreuz begleitet uns Weilheimer als Gnadenbild seit Jahrhunderten. Es will auch jetzt ein Zufluchtsort sein. Mit allen Ängsten, Fragen, allem Ungelösten können Sie sich hier mit Christus besonders verbinden. Unter den ausgebreiteten Armen des Erlösers dürfen Sie beten: „Unter deinen Schwingen finde ich Zuflucht!“ (Ps 91)

Die Corona-Krise stellt auch die Frage, wie weit unsere Solidarität und unsere Nächstenliebe reichen? Jetzt gilt es, sich den Maßnahmen zu unterwerfen, die dem „Schutz der anderen“ dienen.

Jetzt müssen wir Wege suchen, den Menschen verbunden zu bleiben, die unseren Beistand brauchen. Da ist vor allem an die alten Menschen und die Kranken zu denken, die keine Besuche mehr erleben. Nutzen wir die technischen Möglichkeiten (Telefon etc.), um mit diesen Menschen in Verbindung zu bleiben.

Bleiben wir auch solidarisch mit denen, die in den Wochen die Entscheidungen in Staat und Kirche treffen (müssen). Es ist naheliegend, seine Enttäuschung und seinen Frust in Wut gegen die Politiker und Kirchenleitung umzumünzen. Fair und christlich ist das aber nicht.

Welche Deutungen bieten sich für einen gläubigen Umgang mit den Herausforderungen dieser Tage an?

Man kann wohl sagen, dass wir und die ganze Gesellschaft eine „Fastenzeit ganz eigener Prägung“ zu leben haben. Als Gesellschaft erleben wir gerade eine Situation, die sich mit den biblischen Erfahrungen von Wüste verbindet. Das Motto, mit dem wir in Weilheim in die Fastenzeit gestartet sind, hat inzwischen eine ganze neue Wucht: „Wenn Gott uns in die Wüste führt…“:

  • Die vertrauten Wege und die gewohnten Sicherheiten sind „Wie vom Winde verweht“.
  • Es gibt niemand, der weiß, wie lange dieser Zustand andauert.
  • Das, was bisher genährt hat, ist plötzlich weg. Kulturelle Zerstreuungen, öffentliche Feste, ein Bad in der Menge, Reisen und Ausflüge, waren doch wie „Nahrung für die Seele“. Jetzt gibt es das alles nicht mehr. Alle sind gefordert, auf die Notration zurückzugreifen.

Es zeigt sich nun, was ich mich hält, wenn so vieles nicht da ist. Was nährt und stärkt mich, wenn all die äußeren Impulse wegfallen? Auch diese Einsichten können wehtun, sind aber sicher heilsam!

In der Tradition des Volkes Israel gab es das Brachjahr. Alle sieben Jahre sollte das Land Ruhe haben. So eine Brachzeit erleben wir als Gesellschaft, Kirche, als Pfarrei und als Einzelne.

Im Wegfallen und Streichen birgt sich auch die Chance einer Klärung. Was üblich und selbstverständlich war, fehlt jetzt. Es wird sich in den nächsten Wochen zeigen, was sich überlebt hat, was schmerzlich fehlt und was künftig anders oder neu sein soll.

Gefordert sind wir auch mit unserem Beten. Wenn das gemeinsame Gebet in den Kirchen eingeschränkt wird bzw. gar nicht mehr möglich ist, dann braucht es intensiveres privates Gebet.

Suchen Sie bitte jetzt Wege, zu Hause in der familiären Gemeinschaft miteinander zu beten und so im Bund mit Gott zu bleiben. Die Anregung „Hauskirche zu sein bekommt in diesen Wochen ein besondere Dringlichkeit. Singen Sie Lieder des Glaubens, lesen Sie eine Bibelstelle, sprechen Sie Gebete. Anregungen dazu finden sich im Gotteslob und im Internet. (z.B. www.erzabtei-beuron.de/schott oder www.stundengebet.de)

Manches Wort der Bibel bekommt in solchen Tagen einen neuen Klang und entfaltet seine Kraft. Der Prophet Habakuk beschreibt, was wir in den nächsten Wochen erleben werden:

„Zwar blüht der Feigenbaum nicht,
an den Reben ist nichts zu ernten,
der Ölbaum bringt keinen Ertrag,
die Kornfelder tragen keine Frucht;
im Pferch sind keine Schafe,
im Stall steht kein Rind mehr.
Dennoch will ich jubeln über den Herrn und mich freuen über Gott, meinen Retter“ (Hab 3,17f).

Eine Hilfe kann auch sein, sich mit all denen zu verbinden, die aus anderen Gründen mit einem eingeschränkten Leben und Glauben zurechtkommen müssen. Wie viele sind durch Krankheit und Behinderung zu einem Leben gezwungen, wie wir es jetzt erleben? Wie viele sind weltweit in Lagern und Gefängnissen auch in eine „Wüste“ geworfen und müssen darin zurechtkommen?

Zahlreich sind Zeugnisse von Menschen, die in solchen Zeiten, als ihnen alles genommen war, zu neuen Tiefen gelangt sind. Hier sei an Alfred Delp erinnert, der in der Einzelhaft, in der Ahnung, dass er von den Nazis zu Tode gebracht wird, solche Gedanken schreibt:

„Das Eine ist mir so klar und spürbar wie selten: Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen, wir aber sind oft blind. Wir bleiben in den schönen und bösen Stunden hängen und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt, an dem sie aus Gott herausströmen. Das gilt für alles Schöne und auch für das Elend. In allem will Gott Begegnung feiern und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort.“

Engelbert Birkle


Gott,
du bist die Quelle des Lebens….
Du schenkst uns Hoffnung und Trost in schweren Zeiten.
Dankbar erinnern wir uns an deinen Sohn Jesus Christus,
der viele Menschen in deinem Namen heilte
und ihnen Gesundheit schenkte.

Angesichts der weltweiten Verbreitung
von Krankheit und Not bitten wir dich:

Lass nicht zu, dass Unsicherheit und Angst uns lähmen.
Sei uns nahe in der Kraft des Heiligen Geistes.
Lass uns besonnen und verantwortungsvoll handeln
und unseren Alltag gestalten.
Schenke uns Gelassenheit und die Bereitschaft,
einander zu helfen und beizustehen.

Sei mit allen, die politische Verantwortung tragen.
Sei mit allen, die gefährdete und kranke Menschen
begleiten und sie medizinisch versorgen.

Lass uns erfinderisch sein in der Sorge füreinander
und schenke uns den Mut zu Solidarität und Achtsamkeit.

Gott, steh uns bei in dieser Zeit, stärke und segne uns.
Amen.

P: Norbert Becker

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