„In Erwartung der Keimung“ – Kunstprojekt in Mariä Himmelfahrt

In der Kirche Mariä Himmelfahrt hat das Kunstprojekt mit dem Titel „In Erwartung der Keimung“ die Wochen der Weihnachtszeit geprägt. Das Gerüst, das derzeit in der Kirche steht, wurde mit einem Stoff verhüllt und künstlerisch gestaltet. Weitere Elemente ergänzen die Installation.

Unser Dank gilt den beteiligten Künstler Natalia Alf, Paulo de Brito und Oleksii Plakhotnyi.

Wer das Projekt mit einer Spende unterstützen mag, kann dies unter der Kontonummer der PG Weilheim tun: Verwendungszweck Kunstprojekt Kirche 2023; IBAN DE27 7035 1030 0000 005868

 

Predigt von Pfarrer Engelbert Birkle

an Weihnachten 2023 zum Kunstprojekt von Natalia Alf, Oleksii Plakhotnyi und Paulo de Brito

 

Liebe Schwestern und Brüder,

zum Ende eines Jahres wird ein Wort des Jahres gekürt. In diesem Jahr war die Wahl sicher relativ einfach. „Krisenmodus“ wurde für 2023 ausgewählt.

Gerade in der Weihnachtspost nehme ich war, wie sehr die Krisen bei den Menschen ankommen und sie bedrängen. Formulierung wie „Trotzdem frohe Weihnachten“ zeigen das.

Auf dem Hintergrund dieser Gefühlslage und all der Krisen hat mich der Titel des Kunstprojektes sofort angesprochen: „In Erwartung der Keimung“. So nennen die drei Künstler Natalia Alf Oleksii Plakhotnyi und Paulo de Brito ihre Installation, die in den letzten, Wochen in der Kirche gewachsen ist und jetzt vollendet ist.

„In Erwartung der Keimung“

Es ist die Haltung des Bauern, der im Winter an seinem Acker steht. Er kann nur braches Land sehen und in Verzweiflung verfallen, weil da nichts ist. Der Bauer weiß aber im Brachland schon die Kraft des Frühlings, die Kraft einer kommenden Ernte. Im Verborgenen bahnt sich etwas an, auf das man setzen und den man seine Hoffnung schenken kann: ER ist in „In Erwartung der Keimung“.

Es gibt ein Wort im Propheten Jesaja, mit dem der Prophet das Volk – auch uns – zu dieser Haltung ruft.

“Denkt nicht an das, was früher war auf das, was vergangen ist, achtet nicht mehr. Siehe, nun mache ich etwas Neues schon sprießt, es merkt ihr es nicht? Ja, ich lege einen Weg durch die Wüste und Flüsse durchs Ödland.“ (Jes 43 18f)

Diese Worte sind getragen von der Überzeugung, dass von Gott her Neues keimt. In Zeiten der Brache, des Zusammenbruchs, bahnt sich still Neues an.

Der eigentliche Keimling Gottes liegt hier in der Krippe, verborgen in diesem Kind, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern. Diese Geburt wurde bis auf die Hirten von niemandem wahrgenommen.

Doch die Geburt Jesu ist der Keimling einer neuen Sicht auf die Menschen einer Friedenskraft, die durch alles Dunkel der Jahrhunderte sich immer neu einen Weg gesucht hat einer Hingabe für Menschen in Not, die aus ihm Kraft schöpft. Jesus ist der eigentliche Keimling einer neuen Welt, eines neuen Menschen. Um ihn sammeln wir uns. Er macht Mut, diesen weihnachtlichen Anfängen in allen Zeiten, auch in unserer zur trauen.

In Erwartung der Keimung zu sein! Die Kunstinstallation drückt das in verschiedenen Elementen aus. Ganz vorne in der Nähe der Krippe liegen Menschen, Erwachsene, die in der Embryonenhaltung zusammengekauert sind. Das ist ein Zustand, den viele kennen. Unter der Bettdecke zieht man sich zusammen will nichts mehr hören, nichts mehr sehen. Doch hier schlummert die Kraft, aufzustehen, sich aufzurichten, sich dem Leben zu stellen. Wie oft wird Jesus zu einem Menchen sagen: „Ich sage dir: Steh auf! Auch in dir ist der Keim der Kraft, der Keim für das Gute einzustehen, der Keim dem Leben zu dienen.“. So sehe ich in diesen Menschen-Keimlingen, die da zur Krippe gelegt sind, eine Bitte, eine Erinnerung an dieses Aufkeimen der inneren Kraft in uns.

Hinten ist aus dem Gerüst, das in ein paar Wochen dem Orgelaufbau dienen wird, eine Pforte geworden. Ich nenne sie innerlich „Pforte der Sehnsucht“. Die adventliche Farbe bleibt. Auch an Weihnachten gilt was Fußballer wissen: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, und nach dem Advent ist natürlich im Advent. Auch wenn jetzt der Advent vorbei ist, sollen wir immer adventlich gestimmte Menschen sein. Es ist wichtig, in der Haltung der Erwartung zu bleiben.

In allem, was geschieht, gilt es nach vorne schauen, nicht allein auf die eigene Kraft zu setzen. Es ist Erwartung möglich, weil wir an das Wirken dessen glauben, der sagt, ich schaffe Neues.

Diese Pforte der Sehnsucht, die Sie durchschreiten, wenn Sie zum Gottesdienst kommen hat, oben ein großes goldenes Korn, das von Blütenblättern umgeben ist. Es erzählt von diesem inneren Keim, der in allem schon da ist.

Viele Zeitgenossen würden an dieser Stelle ein Yin Yang anbringen. Es ist dieses Zeichen, in dem schwarz und weiß ineinandergreifen. Die Erfahrung und Deutung ist: Das Gute und das Böse ringen miteinander, sind beide gleich.

Christen verstehen die Welt anders. Unsere Überzeugung ist, dass das Gute immer voraus ist, und immer stärker ist. Das Wort aus der Schöpfung: „Gott sah, was er gemacht hatte, und es war sehr gut“, gilt über allem, was wir erfahren und erleben. In allem Dunklen, Bösen, Brutalen glauben wir, dass der innerste Kern auch dort noch das Gute ist. Es gibt keine gänzlich dunkle, gottlose, verlassene Welt. Wir glauben, dass alles durch ihn (Christus) geworden ist. So formuliert es der Johannes-Prolog, der heute verkündet wird. Das innerste göttliche Gehaltensein, strahlt uns von dem goldenen Korn auf der Pforte der Sehnsucht entgegen. Es markiert eine begründete Sehnsucht.

Die Pforte will durschritten sein in der Erwartung, dass sich dieses „Sehr gut Gottes“ durchsetzen wird durch alle Krisen.

Die Künstlergruppe verbindet den Kirchenraum mit draußen. Sie finden diese violette, pinke Farbe, verteilt über die Stadt, an Bäumen, auf dem Kirchplatz, an vielen Ecken. So wird deutlich, dass unser Feiern hier nach draußen wirken will und dass das, was draußen stattfindet, in der Stadtpfarrkirche doch ihre Mitte hat. Ich finde sehr bewegend, dass es für die Künstler selbstverständlich ist, dass es keine Trennung zwischen Kirchenraum und öffentlichen Leben draußen geben darf.

Die Installation ist eine Gabe, die die drei Künstler mit viel Einsatz gestaltet haben. Sie ahnen wieviel Stunden in diesem Projekt auch stecken. Unserem Mesner, Herr Zak gilt Dank für alle Mithilfe. Dank auch den Spendern und Sponsoren, die die Kosten dieser Installation mitschultern.

Das Kunstprojekt ist ein Geschenk der Ermutigung.

Niemand soll die Augen verschließen vor all dem, was unsere Zeit an Herausforderungen und Bedrängnissen bringt. Wir sind aber ermutigt, zu hoffen und zu vertrauen, dass in all dem etwas keimt: „Siehe, nun mach ich etwas Neues, schon sprießt es, merkt ihr es nicht?“

Engelbert Birkle

 

 

 

 

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