Neue Kapelle im Krankenhaus Weilheim

Wer das renovierte und neu gestaltete Krankenhaus hier in Weilheim besucht, findet gleich am Haupteingang die neue Kapelle. Das ist alles andere als selbstverständlich. Eine Kapelle in einem Krankenhaus an diesem Platz und in dieser hochwertigen Gestaltung ist schon etwas Besonders.

Seit Herbst 2014 laufen Planungen und Diskussionen um die Gestaltung der Kapelle. Jetzt ist das Werk vollbracht. Seit der Segnung der neuen Kapelle durch den evangelische Regi-onalbischof Christian Kopp und Diözesanadministrator Dr. Bertram Meier am 5.2. steht der Raum offen für Gebet und gemeinsame Gottesdienste.

Das Zusammenwirken vieler Kräfte hat die Kapelle so möglich gemacht. Da ist vor allem zu danken dem Bauherrn, der Krankenhaus GmbH Landkreis Weilheim-Schongau. Das Anlie-gen eines hochwertigen Gebetsraumes im Krankenhaus wurde finanziell und ideell tatkräf-tig unterstützt vom Bistum Augsburg und dem evangelischen Kirchenkreis München und Oberbayern. Eine Krankenhauskapelle ist nicht einfach ein weiterer Sakralraum in der Stadt. Zunächst muss die Kapelle so gestaltet sein, dass sie den Patienten und dem Personal im wahrsten Sinne des Wortes offen steht. Die Kapelle hat eine klare christliche Ausrichtung und will doch offen sein für alle, die einen Platz zum Gebet und zum Aufatmen suchen. Alle sind in dieser Kapelle erwartet, unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung oder Prägung. Bei-des wird in diesem Raum gut möglich sein: Christlichen Glauben feiern und einfach in Ru-he verweilen können.

Die künstlerische Ausstattung der Kapelle ermöglicht dies. Drei Künstler prägen den Raum. Zum einen sind es Glasfenster, die die renommierte Glaskünstlerin Celia Mendoza gestaltet hat. Licht im Dunkel von Sorgen und Fragen ist immer schon eine Botschaft. Wer in der Kapelle sitzt, ist eingeladen, sich von verwandeltem, geheimnisvollem Licht aufnehmen zu lassen. Christen mögen darin auch dem begegnen, der zu ihnen sagt: „Ich bin das Licht“. Die Glasfenster erzeugen eine hoffnungsvolle und lebenbejahende Farbigkeit, die den Ka-pellenraum durchflutet. Das kann an ein großes Hoffnungsbild der Hl. Schrift erinnern. Was vom himmlischen Jerusalem in der Offenbarung des Johannes gesagt wird, das mag in der Krankenhauskapelle erfahrbar werden: „Erfüllt von der Herrlichkeit Gottes. Sie glänzte wie ein kostbarer Edelstein, wie ein kristallklarer Jaspis.“ (Offb 21,11)

Egon Stöckle, der auch die Altarraumgestaltung von Mariae Himmelfahrt verantwortete, hat ein kraftvolles Kreuz in die Kapelle eingebracht. Stöckle verwendet den alten knorrigen Stamm eines Birnbaums. Sein Kreuz steht ganz bewusst auf dem Boden. Vor diesem Kreuz werden manche stehen, die am „Boden der Tatsachen“ angekommen sind. In allem Schmerz, in den Ängsten, im Verletztsein ist der nahe, an den dieses Kreuz erinnert.

Stöckle gestaltet keinen „schönen Christus“. An diesem Kreuz sieht man einen geschunde-nen, gebrochenen Leib, „ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut“ (Jes 53,3). Die Kranken dürfen hier im „Leidensmann“ einen Bruder finden, der in allem „ihnen gleich“ ist.

Markant ist die Haltung des Hauptes. Der Blick geht nach oben. In diese Blickrichtung nimmt das Kreuz den Betenden mit. „Ich erhebe meine Augen. Woher kommt mir Hilfe?“, so mag mancher an in Verbindung mit diesem Kreuz beten. Über allem ruht eine goldene Krone. In allem Schmerz, in allem Flehen sind Menschen hier eingeladen, in ein letztes Vertrauen zu gehen. Einer der großen Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts, Pater Alfred Delp, fasst in der Todeszelle diese Hoffnung mit den Worten: “Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht mehr allein zu leben haben, sondern Gott es mit uns lebt.”

Altar und Ambo und das gesamte Raumkonzept tragen die Handschrift von Nikodemus Löffl. Ihm ist es gelungen, dem Raum eine bergende Rundung zu geben. In der Gestaltung von Altar und Ambo nimmt Löffl auf, was wohl alle in dieser Kapelle suchen: Festen Halt und bergende Wärme. Die Materialien Eichenholz und Filz, aus denen Altar und Ambo ge-staltet sind, stehen für die gläubige Hoffnung, dass in Gott Halt und Angenommensein zu finden sind.

Die Gestaltung von Altar und Ambo erinnert auch an die Sedimentschichten, die sich im Gebirge bzw. bei Erdgrabungen zeigen. Schicht legt sich auf Schicht. Jede Schicht hat ihre eigene Prägung und Geschichte. So erfahren auch Menschen ihr Leben in verschiedenen Phasen: Kindheit und Jugend, Erwachsen sein, Altwerden. Jede Phase des Lebens hat ihr „eigenes Kreuz“. Die Holzplatten im Altar sind so gelegt, dass in jeder Schicht ein Kreuz entsteht. Wie im Leben vieler Kranken ist das Kreuz von außen nur zu ahnen, gelebt sein muss es im Inneren.

Die neue Kapelle befindet sich direkt am Haupteingang, an der Schwelle des Krankenhau-ses. Hier geschieht hoffentlich oft, dass sich das Leben der Stadt, der Weg der Kirchenge-meinden und die Welt der Kranken sich berühren. In einer Zeit, in der Krankheit oft ausge-lagert und verdrängt wird, ist die Kapelle ein Ort der Begegnung von Gesunden und Kran-ken. Auch das gehört zu den wirklich besonderen Qualitäten des neuen Raumes.

Der moderne Gebetsraum legt nahe, dort auch neue moderne Formen auszuprobieren. Weilheim hat hochwertige Sakralräume aus den vergangenen Jahrhunderten. Jetzt ist ein weiterer Raum dazugekommen, der sich auf der Höhe des 21. Jahrhunderts befindet.

Die Gestaltung der Kapelle wird sich vollenden, wenn dort Menschen in ihrer ersten Trauer auch einen Moment des Trostes spüren; wenn Menschen in aller Sorge um die bedrohte Gesundheit hier Zuflucht finden
und wenn viele innehalten bevor sie in ihren Alltag zurückkehren und danken für die Hei-lung und Pflege, die ihnen geholfen hat.

Pfarrer Engelbert Birkle

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